Von Oberstdorf nach Poschiavo (2001) 270km / 8450 hm Upd 15.09.01
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Alle wollen immer nur das Eine!
Eine wunderschöne Aussenseiter- Tour für Leute, |
Nachdem in den letzten Jahren ein deutlicher Trend in
Richtung Transalp stattfand, gleichen manche Strecken an den Wochenenden
fast schon einer kleinen Völkerwanderung. Die Tour wurde zuerst zusammengeklickt und dann zusammen gefahren nach dem neuen Transalp- Buch (incl CDROM), das im Delius&Clasing verlag erschien. Ersteres ist für etwas bequemere Naturen zu empfehlen. Zum Glück haben wir auf den zweiten Teil nicht verzichtet: eine der schönsten Touren, die wir bisher gefahren sind... Teilnehmer: 3 Mann (Uli, Jürgen und Heiner). Karten: Benötigt werden die Kompass - Karten Nr. 33,41,96 sowie die beiden Kümmerli+Frey Karten 259T (Ofenpass) und 249 (haben wir uns erspart). Größere Pässe: Schrofenpass(1700), Freiburger Hütte(1900),
Kirstbergsattel (1400), Silbertal (1900),Heilbronner Hütte (2200),
Fimberpass(2600), Pass da Costainas(2200) Passo Val Viola(2470) |
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*) Private Tourenbeschreibung. Alle Angaben ohne Gewähr. Nachbiken auf eigene Gefahr. Weder wurde die Zulässigkeit der Streckenführung geprüft noch wird für Folgeschäden in irgendeiner Form gehaftet.
1.Etappe Oberstdorf
- Schrofen Pass - Warth - Lech - Zug - Formarin
See -Freiburger Hütte
2.Etappe Freiburger
Hütte - Dalaas - Kristbergsattel - Hasahüsli - Silbertal - Schönverwall
- Neue Heilbronner Hütte
3.Etappe Neue
Heilbronner Hütte - Kops Stausee - Galtür - Ischgl
- Heidelberger Hütte
4.Etappe Heidelberger
Hütte - Fimbapass - Val Sinestra - Scuol - S-Charl
5.Etappe S-Charl
- Passo da Costainas - Lü - Val Mora - Val Fraele - Lago San Giacomo
di Fraele - Rifugio Val Fraele
6.Etappe Rifugio Val Fraele
- Arenoga - Val Viola - Passo Viola - Alpe Campo - Poschiavo
1.Etappe
Unfreiwillige Dusche am Formarinsee. Jedem was er verdient?
Oberstdorf - Schrofenpass - Lech - Zug - Formarinsee - Freiburger Hütte
(ca. 1600 hm, 40 km)
Bestes Wetter - beste Laune, was will man mehr? Keine Wolke ist in Oberstdorf zu sehen, als wir um 11:00 Uhr aus dem Zug steigen. Der Schrofenpass soll es heute sein. Wir wissen logischerweise, was uns erwartet: den Pass haben wir vor drei Jahren bereits einmal überquert. Er ist nicht ganz zu verachten. Weniger wegen der kleinen Leiter, die spektakulär zu überqueren ist. Nein: viel mehr wegen deiner Geröll- Halde, die auf einer Länge von 100-150m opassiert werden muss. Dabei finden die Radschuhe auch schon ohne Bike kaum Platz auf dem rutschigen Pfad. Mit Bike wirds ab und an ein wenig haarig.
In Lech knurrt uns leicht der Magen. Glauben wir zumindestens. Bis einer draufkommt, dass es da im Hintergrund wohl auch ein wenig donnert. Ein Blick nach oben lässt noch nichts absolut Schlimmes befürchten. Aber (Flachlandtiroler = keine Ahnung) in den Bergen gelten eben doch andere Wettergesetze: Eine halbe Stunde nach später tröpfelt es leicht. Zum Glück haben wir auch als gelernte Flachlandmenschen so viel Erfahrung: man sollte sich bei einsetzendem Regen sofort umziehen. Es ist ohne Unterstand später in stärkerem Regen unmöglich,den ganzen Rucksack umzukramen und sich trocken umzuziehen. Etwas overdressed stehen wir so 15 Minuten später in leichtem Niesel da und machen bedrückte Gesichter. War das Umziehen überhaupt nötig? Von Essen gehen ist jetzt nicht nur mangels Gelegenheit keine Rede.
Lästig: Permanent müssen wir Busse durchlassen. Die Lechianer haben anscheinend den Durchgangsverkehr aus dem Tal verbannt. Und dabei den Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben? Wie es vorher war, wissen wir nicht. Auf alle Fälle fahren die Busse ganz schön schnell und knapp vorbei. Das nervt. Und komischerweise kommen die Teile immer an Steilstücken und in Kurven.
Wir müssen hoch zur Freiburger Hütte. Eigentlich eine Spazierfahrt. Doch der Regen wird stärker. Und geht mit weiterer Höhe in ein tosendes Gewitter über. Es giesst wie mit Kannen. Na ja, in 15 Minuten wird das wohl vorbei sein. Pustekuchen: Wir kämpfen uns den Hang hoch. Kilometer um Kilometer. Alles fahrbar. Wir schauen jedoch nur auf die paar Meter Weg, die vor uns liegen. Nach oben gucken trauen wir uns nicht. Das Schlimmste ist, dass man auch noch dabei lächeln sollte, wenn man geblitzt wird. Irgendwann ganz oben kommt eine Bushaltestelle und der asphaltierte Weg hört auf. Jetzt noch ein paar Meter und wir sind bei der Freiburger Hütte.
Wirklich?
Schlechte Nachricht Nummer 2: Für die Bikes gibt es keinen Stellplatz. Das tut weh und erschüttert jeden Biker bis ins tiefste Mark!! Den geliebten Stollengaul nachts vor der Hütte im Regen stehen lassen? Wir müssen ein wenig arg verzweifelt ausgesehen haben, denn eine Küchenmitarbeiterin erbarmt sich und gibt den Tip, hinter dem Haus sei eine Treppe, da könnten wir die Radl drunterstellen. Selbiges tun wir. Nicht toll. Aaaaaaber besser als gar nichts.
Schlechte Nachricht Nummer 3: Wir beschliessen also, nachdem wir hungrig und müde sind und die Aussicht haben, in einer feuchten Hängematte in einem umgebauten Stall zu nächtigen, wenigstens unseren Kummer mit der einen oder anderen Medizin in alkoholischer Form zu bekämpfen. Als wir also in der Gaststube genau mit diesem Ansinnen Platz nehmen, taucht unser Freund (der Wirt) wieder auf und macht den Bikern gegenüber eine amtliche Bekanntmachung. Diese lautet kurz und knapp: "Um 7 brauch I die Stub`n und den Raum danebn. Ich hab einen Kurs. Bis dahin müsst Ihr essen (wenn ihr noch was wollt) und den Raum verlassen".
Toll. Was heisst Kurs? Und wohin glaubt dieser Menschenfreund *) , dass wir uns verziehen sollen? In unser Luxusschlafgemach?
Okay. Irgendwie kriegen wir den Abend `rum. Mit Aufhängen unserer nassen Klamotten im überfüllten Trockenraum, Schuhputzen, und mit Herumdrücken am Eingang der überquellenden Gaststube. Ausserdem lernen wir drei nette Brüder aus Freudenstadt kennen, die unterweg nach Riva sind. Da gibts `ne Menge Bikerlatein auszutauschen. Die Hagelkörner des heutigen Unwetters wachsen jetzt auf doppelte Größe. Mindestens. Und würden die Passhöhen nicht in der Karte stehen - das gäbe ganz neue Möglichkeiten. Vergessen wir`s. Vergessen wir auch die Freiburger Hütte. Unsere Meinung: Absolute Abzocke bei schlechter Leistung. Fun- Faktor unter Null. Kilometertief.
*)Nachtrag vom 3.6.2002: Ab Sommer 2002 hat die Hütte einen anderen Wirt!
2.Etappe:
In den Sümpfen des Silbertals: Von der Freiburger Hütte zur neuen Heilbronner Hütte.
Freiburger Hütte - Dalaas - Kristbergsattel - Hasahüsli - Silbertal - Schönverwall - Neue Heilbronner Hütte
(ca. 2100 hm, 50km )
Das war eine Nacht. Ich bin gerädert. Zum Glück sieht das gut aus, was man vom Wetter durch die Einganstür unseres "Verlieses" sieht. Andere Worte kann ich für den feuchten Schlafraum um diese Uhrzeit nicht abgewinnen. Schnell zum Frühstück und ab aufs Bike. Wir haben heute auf alle Fälle deutlich über 2000 hm zu "machen". Da haben wir wenig Zeit zum Herumdödeln. Das Frühstück bringt unsere Meinung über die Hütte um satte 10% nach oben. Sorry: Leider bleibt`s in der Hütten- Hitparade beim letzten Platz ;-(
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Noch ein letzter Blick auf den im Morgendunst liegenden See. Ein Traum in Aquarell !! Von nun an geht es bergab. Der jetzt folgende Downhill ist tatsächlich vom Feinsten. Wenn diese Vokabel in den Beschreibungen steht, muss ich normalerweise oft absteigen. Nein - durchgefahren bin ich auch hier nicht. Aber diese Abfahrt kann zu einem relativ grossen Teil gefahren werden. Und das teilweise auf schönen Pfaden. Beim lustvollen Abfahren auf einem dieser Pfade treffe ich auf ein paar Biker, von denen einer mit einer komischen Mütze gerade seine Siebensachen auf einer Wiese zusammenklaubt. Er ist wohl gestürzt. Es sind die Freudenstädter von gestern. Mit dem Ruf: "was ist mit Deinem Helm..." weise ich darauf hin, dass er ihn wohl besser statt seiner Mütze aufsetzen würde. Als Alibi- Helm am Rucksack ist der Nutzen bescheiden! |
So schön die Abfahrt ist: auf der anderen Seite müssen wir wieder hinauf: der Kristbergsattel ruft. Ganz unten an der Steigung noch in Dallaas kommen die 3 Jungs aus Freudenstadt gestikulierend hinter uns hergejapst und fragen, ob wir Desinfektionsmittel dabei hätten. Einer der Brüder sei beim Downhill gestürzt (der andere diesmal). Ich krame aus dem Rucksack meine Binden und eine Tube Betaisadonna, während der Patient sein grosses Pflaster am Knie abzieht. Was unter dem Pflaster zum Vorschein kommt, sieht nicht gut aus: ein 4cm langer Riß unterhalb des Knies. Als er ihn mit den Fingern auseinanderzieht, blutet nichts und man kann 5-8 mm in die Tiefe schauen. Da hat Pflastern und Desinfizieren allein keinen Sinn. Widerstrebend können wir den tapferen Buben überreden, den nächsten Arzt auszusuchen, um den Riss zu nähen. Also: Großes "Ciao" und "Machts gut".
Den sehen wir bestimmt nicht wieder. Glauben wir jedenfalls.
Die Fahrt über den Kristbergsattel ist gut zu pedalieren (teils Asphalt, teils Schotter). Heute befindet sich auf der Strecke eine geführte Alpenüberquerer- Gruppe. Die Jungs sehen zum Teil recht fertig aus. Es ist heiß. Beim "Hasahüsli" wartet eine einladene Gartenterasse auf uns. Nachdem die Bedienung bei dem von mir bestellten Gericht sagt, das dauere etwas länger, bestelle ich um auf Krautspätzle. Eine Entscheidung, die ich aus jetziger Sicht nicht mehr tun würde.
Im Silbertal geht es zunächst lieblich am Bach entlang. Die daran anschliessenden oberen 5-6 km gleichen aber statt einer Tour einer einzigen Tortour: Erstens haben sich die Krautspätzle in meinem Magen anscheinend zu einer Art gärenden Masse vereinigt, die gleich einem Alien im Unterleib ein Eigenleben entwickelt. Zweitens: Nach einer öden Rampe kommt man in ein sumpfiges Hochtal, das zwar für Wanderer sicher einen reizvollen Eindruck hinterläßt, nicht aber für Biker. Wir können keinen Meter fahren, hüpfen mit dem Rad nur noch von Stein zu Stein. Oder von Grasbüschel zu Grasbüschel. Zwischen den Steinen/Grasbüscheln befindet sich Morast - ein Hochmoor, das sich über Kilometer erstreckt. So kommt es uns vor. Ab und an treten wir fluchend in den Morast. Wir kämpfen uns bestimmt 1-2 Stunden auf diese Weise vor. Das hat mit Biken nichts mehr zu tun. Am Schluss ist alles egal, da wir ohnehin dreckig sind. Als uns in dem Sumpf forschen Schrittes ein Einheimischer überholt, bleibt Uli ihm am Absatz. Als ich mit Jürgen eine kurze Zeit später über eine Kuppe komme, sind die beiden verschwunden. Und auch der Weg verliert sich ins absolute Nichts. Nach einer Weile nähern sich von hinten zwei Biker, die wir weiter unten überholt haben. Ich rufe ihnen zu, ob sie wohl den Weg sehen. Sie schütteln den Kopf und zucken mit den Schultern. Sie irren wie wir im Sumpf herum und wissen anscheinend ebenfalls den Weg nicht.
Wir erspähen irgendwo eine Stelle, die wie wie ein Weg aussehen könnte. Es ist ein Weg. Aber leider - wie sich zeigt - ein Kuhpfad. Egal. Er führt nach unten. Und zwar schnell (schieben). Als wir so 200-300 hm heruntergestiegen sind, hören wir einen Pfiff. Zurückschauend erkennen wir einen Mann ganz oben am Berg, der mit den Armen gestikuliert und genau Ulis Figur hat. Nach einer viertel Stunde dampft Uli mit den anderen beiden Bikern auf einem anderen Weg an.
Es ist schon 18:00 Uhr. Wir müssen zur Hütte. Um Zeit zu sparen nehmen wir den direkten Weg, der auf den Fahrweg führt ("Abkürzung"). Irgend Etwas müssen wir falsch gemacht haben. Auf alle Fälle kommt auch nach minutenlangem Schieben und Tragen kein Brückchen oder ähnliches über den reissenden Bach. Ich trotte stumpfsinnig voraus auf einem Weg, der keiner ist. Als ich mich nach einer Weile umdrehe, denke ich, mich laust der Affe. Sehe ich Uli und Jürgen, wie sie sich ausziehen, um den reissenden Bach zu überqueren. Egal. Das kann uns jetzt auch nicht mehr umwerfen. Da meine Schuhe sowieso völlig im Sumpf verdreckt und nass sind, wate ich einfach mit dem Rad durch den eiskalten Bach. Ein wenig erschrecke ich noch über die starke Strömung und beim Blick auf das Vorderrad: die Nabe ist 10 cm unter Wasser!
3.Etappe
Relaxen
Neue Heilbronner Hütte - Kops Stausee - Galtür - Ischgl - Heidelberger Hütte
(ca 900 hm, 40 km)
Wir fahren nach Galtür ab und finden eine Perle von Radweg, die wir im Geschwindigkeitsrausch vor einigen Jahren achtlos liegengelassen haben: den Talradweg von Galtür nach Ischl, der kilometerweit abseits der Straße direkt am rauschenden Fluss mal links mal rechts entlangführt. Wie in einem See fühlen wir auf der Haut alle Temperaturen der Luftströmungen, je nachdem ob wir im Schatten nahe der Gischt des Baches fahren, oder über ein sonniges Wiesenstück...
Heute ist Relax - Tag!
Das können wir uns ruhig mal gönnen, denke ich. Deshalb fluche ich innerlich, als Jürgen die 15% Steigung in Richtung Heidelberger Hütte in voller Mittags- Sonne zügig hochzieht. Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit, um zur Heidelberger Hütte zu kommen. Dass es auch anders laufen kann (nämlich dumm), zeigt ein Sanka, der mit Blaulicht von Ischgl heraufgefahren kommt und direkt vor uns in Höhe der Bodenalpe einen Biker einlädt. Sturz? Die Stelle war nicht gefährlich. Bei der Hitze würde mich allerdings ein Infarkt auch nicht wundern.
Im unteren Teil der Auffahrt befinden sich auf der linken Seite einige Fischteiche. Dort lassen wir endlich mal Fünfe gerade sein uns gönnen uns ein Päuschen. Nach einer halben Stunde kommen drei Gestalten mit dem Bike an, von denen einer eine komische Kappe trägt (statt Helm). Die habe ich irgendwo schon einmal gesehen. Es sind die drei Brüder aus Freudenstadt. Sind die tatsächlich dem Doc entkommen? Unser Patient von gestern mit der Kniewunde wurde doppelt genäht (hält anscheinend). Dann haben sie die Silvretta Hochalpenstrasse genommen und so die Zeit wieder hereingeholt.
| Oberhalb der Bodenalpe nehmen wir uns so richtig Zeit. Wir lassen die Beine im Bach baumeln und geniessen das schöne Wetter und die Bergwelt. |
4.Etappe Eine geniale Fortsetzung: Über den Fimbapass nach S-Charl
Heidelberger Hütte - Fimbapass - Val Sinestra - Scuol - S-Charl (Crusch Alba)
(ca 950 hm, 48 km)
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Über einen Bach führt eine malerische Schneebrücke. Uli ist vorn, stapft unbeirrt drüber. Jürgen , der die "Brücke" noch nicht überschritten hat, zweifelt: "Hält die wirklich..?!?" |
Auf jeden Fall sackt Jürgen mit einem kleinen Schrei nach unten. Genau ins Bachwasser, das er zwar mit 2-3 reflexartigen Sätzen verlässt. Nasse Schuhe und Socken hat`s gekostet! Schade, in diesem Moment hätte der Foto bereit sein sollen.
In Zuort verlassen wird die Strecke, die wir vor drei Jahren nach "Vna" gefahren waren und biegen jetzt rechts ab in Richtung Val Sinestra, Sent. Jetzt fahren wir über wunderschöne Wiesen, die später in einen Pfad münden, der am Fluss entlang geht. Bis auf einige hundert Meter, die als gefährliche Strecke ausgeschildert sind, ist alles fahrbar. Irgendwann erreichen wir das Kurhaus Sinestra, wo eine am Anfang staubige Schotterstraße nach dem heute verschlafenen Örtchen Sent führt (verschlafen = wir wussten nicht, dass heute der Schweizer Nationalfeiertag ist). Sent- Scuol: ein wunderschöner Radweg in der Höhe
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Wir haben noch ca 600 hm auf den Schotterstraße nach S-Charl. Die können wir gut am Nachmittag schaffen, so daß wir uns ein kleines Päuschen gönnen können. Wir haben etwas Probleme, den richtigen Weg aus dem Ort zu finden. Nach der großen Fußgängerbrücke an einem Campingplatz lassen wir uns häuslich in der Gartenwiertschaft nieder, wo man kleinere Snacks bekommen kann. In S-Charl steuern wir sofort die hübsche Pension Crusch Alba an, die ausser einigen geschmackvollen Zimmern auch ein sehr ordentliches Lager für Biker und Bergsteiger bereit hält. S-Charl war ursprünglich eine Bergbausiedlung, an die noch Ruinen der Schmelzöfen und das kleine Museum am Wegrand erinnern. Seit dem 14. Jahrhundert wurde in den Minen oberhalb S-Charl Silber und Zinn geschürft und mit Maultieren über den Cruschettapass nach Italien transportiert. |
Am Abend wartet noch das absolute Highlight der Tour auf uns: Der Wirt hat - weil es der Schweizer Nationalfeiertag ist - ein supertolles Menü vorbereitet. Ich kann die Speisekarte jetzt nicht wiedergeben. Aber ausser dem Preis auf der Speisekarte war alles erste Sahne. Und (bikerfreundlich): am nächsten Tag stellt es sich heraus, dass der Wirt für Unterkunft und Menü als Kombipaket eine wirkich günstigen Komplettpreis macht. Klasse. Absoluter Geheimtipp (hoffentlich noch lange).
Auf jeden Fall verbringen wir den Abend bei gutem Essen, gutem Wein und in Gesellschaft von zwei Bregenzer Bikern, die wir schon öfters unterwegs getroffen haben. Der Tag klingt aus mit Freudenfeuern, die überall errichtet werden und mit Böllerschüssen. So viel Aufwand hätte man wegen uns nicht machen müssen :-)
5.Etappe
Das ungeahnte Highlight der Tour: Fahrt durch den "wilden Westen".
S-Charl - Passo da Costainas - Lü - Val Mora - Val Fraele - Lago San Giacomo di Fraele - Rifugio Val Fraele
(ca 1500 hm, 45km)
6.Etappe
Schöner Auslauf mit wenig Kraftaufwand
Rifugio Val Fraele - Arnoga - Val Viola - Passo Viola - Alpe Campo - Poschiavo
(ca 50 km,600 hm)
Wir haben Glück. Das Wetter sieht trotz nächtlichem Rumpeln am Himmel nicht ganz so schlecht aus.
Vorbei am Lago delle Scale und den alten Wehrtürmen am Torri die Fraele fahren wir nach der dritten Serpentine in Richtung Val Vezzola, Arnoga rechts ab. Der Naturschotter- Weg führt nahezu ohne Höhenunterschied oder mit leichter Steigung am Hang entlang in dass Tal "Val Viola". Die Aussicht ist schön, kann jedoch nicht ganz mit dem gestern und vorgestern erlebten mithalten. Mag sein, dass die Baustellen - Fahrzeuge etwas stören, auf die man ab und an trifft: Der Weg wird gerade hergerichtet. Nach den Überqueren der Strasse nach Livigno führt der Weg in massvoller Steigung zum Rifugio Val Viola hinauf. Für mich persönlich ist der Weg im oberen Teil trotzdem eine gewaltige Quälerei, denn es geht die letzten beiden Kilometer über absolute Grobkiesel, was unheimlich an den Muskeln zerrt. Das Rifugio lassen wir links liegen. Jetzt noch 2 Müsliriegel ins Biosystem jagen. Dann kommt die letzte Quälerei vor dem Ende der Tour: die letzten 200 hm hinauf zum Passo Val Viola. Wir haben noch die Chance, nach Hause zu kommen. Voraussetzung ist das Erreichen des Zugs über den Bernina in Poschiavo um 13:30.
Der Weg über die letzten 200 hm zur Passhöhe hoch wird als überwiegend fahrbar beschrieben, wir nehmen aber die Direktlinie zwischen den Serpentien (über einen begrasten Hang) und stemmen die Bikes hoch. Das Wetter ist inzwischen etwas durchwachsen geworden. Spüre ich da etwa die ersten Tropfen?
Nach der Passhöhe (immerhin 2489m) folgt leider ein ruppiger Abstieg. Drei Kilometer lang müssen wir unser Bike schieben und tragen. Und nicht nur bergab. Das hätten wir wohl gerne gehabt. Nach dem ersten steilen Abstieg geht es sogar wieder etwas bergauf um einen Felsblock herum. Nach einer grossen Schleife über steinige Almwiesen können wir auf einem sagenhafetn Trail unsere komplette Fahrtechnik und die in 5 Tagen gewonnene Fahrsicherheit austoben. An der Alpe Campo ist die Materialschlacht zu Ende. Schade eigentlich. Und auch schön. Die restlichen Energien dürfen unsere Bremsklötze auf breiten Wegen und Strassen bis Poschiavo vernichten!
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Ach ja, da war noch was: auch die Heimfahrt in der Räthischen Bahn über den Bernina ist nicht nur für Eisenbahnfreaks ein Genuss!
FAZIT:
Wieder einmal hat sich vom Termin her der ultimative Geheimtip bewährt: Zum 5.Mal hintereinander (insgesamt) gutes Wetter zwischen letzter Juliwoche und erster Augustwoche.
Eine absolute Super- Tour. Leider waren die beiden ersten Tage etwas zu hart: Zum einen wegen einem Witterungseinbruch. Zum anderen sind die 2100 hm am zweiten Tag im Vergleich zu den anderen Etappen einfach zu hart. Besonders substanzraubend war dabei das Tragen im Sumpf des Silbertals und anschliessendes Hochstemmen des Bikes zur neuen Heilbronner Hütte. Die folgenden Tage brachten aber mehr als Ausgleich. Landschaftlich erste Sahne. Daher Top-Tour.