Heiners Bike Page

Von Oberstdorf nach Poschiavo           (2001)           270km / 8450 hm   Upd  15.09.01


Quo vadis Alle wollen immer nur das Eine!

Eine wunderschöne Aussenseiter- Tour für Leute, 
die nicht immer nur das Eine wollen (Oberstdorf - Riva). 
Oberstdorf-Posciava: Weg von der Bike- Autobahn! 
Basis der Tour war ein Bericht in der Zeitschrift BIKE 
von St.Anton nach Poschiavo. Diese Tour haben wir am 
ersten Tag modifiziert und starten von Oberstdorf aus.  


wohin jetzt?Die Strecke: *) 

Nachdem in den letzten Jahren ein deutlicher Trend in Richtung Transalp stattfand, gleichen manche Strecken an den Wochenenden fast schon einer kleinen Völkerwanderung.
Wegen des günstigen Eisenbahn- Anschlusses wählten wir Oberstdorf als Ausgangsort. Da wir schon einmal von Oberstdorf nach Riva gefahren waren, suchten wir einerseits nach einer alternativen Strecke. Andererseits wollten wir so schnell wie möglich aus der Bike- Autobahn Oberstdorf- Riva in einsamere Gefilde abbiegen.

Die Tour wurde zuerst zusammengeklickt und dann zusammen gefahren nach dem neuen Transalp- Buch (incl CDROM), das im Delius&Clasing verlag erschien. Ersteres ist für etwas bequemere Naturen zu empfehlen. Zum Glück haben wir auf den zweiten Teil nicht verzichtet: eine der schönsten Touren, die wir bisher gefahren sind...

Teilnehmer: 3 Mann (Uli, Jürgen und Heiner). 

Karten: Benötigt werden die Kompass - Karten Nr. 33,41,96 sowie die beiden Kümmerli+Frey Karten 259T (Ofenpass) und 249 (haben wir uns erspart). 

Größere Pässe:  Schrofenpass(1700), Freiburger Hütte(1900), Kirstbergsattel (1400), Silbertal (1900),Heilbronner Hütte (2200),  Fimberpass(2600), Pass da Costainas(2200) Passo Val Viola(2470)
 

 Höhenprofil

Wegskizze

*) Private Tourenbeschreibung. Alle Angaben ohne Gewähr. Nachbiken auf eigene Gefahr. Weder wurde die Zulässigkeit der Streckenführung geprüft noch  wird für Folgeschäden in irgendeiner Form gehaftet.

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1.Etappe   Oberstdorf - Schrofen Pass -  Warth  - Lech -  Zug  -  Formarin See  -Freiburger Hütte
2.Etappe   Freiburger Hütte  -  Dalaas - Kristbergsattel - Hasahüsli - Silbertal - Schönverwall - Neue Heilbronner Hütte
3.Etappe   Neue Heilbronner Hütte - Kops Stausee   - Galtür -  Ischgl   -   Heidelberger Hütte
4.Etappe   Heidelberger Hütte - Fimbapass   - Val Sinestra -  Scuol   - S-Charl
5.Etappe   S-Charl - Passo da Costainas  - Lü - Val Mora - Val Fraele  - Lago San Giacomo di Fraele - Rifugio Val Fraele
6.Etappe   Rifugio Val Fraele - Arenoga - Val Viola - Passo Viola - Alpe Campo - Poschiavo


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1.Etappe 

Unfreiwillige Dusche  am Formarinsee. Jedem was er verdient?
Oberstdorf - Schrofenpass - Lech - Zug - Formarinsee - Freiburger Hütte
(ca. 1600 hm, 40 km)

Bestes Wetter - beste Laune, was will man mehr? Keine Wolke ist in Oberstdorf zu sehen, als wir um 11:00 Uhr aus dem Zug steigen. Der Schrofenpass soll es heute sein. Wir wissen logischerweise, was uns erwartet: den Pass haben wir vor drei Jahren bereits einmal überquert. Er ist nicht ganz zu verachten. Weniger wegen der kleinen Leiter, die spektakulär zu überqueren ist. Nein: viel mehr wegen deiner Geröll- Halde, die auf einer Länge von 100-150m opassiert werden muss. Dabei finden die Radschuhe auch schon ohne Bike kaum Platz auf dem rutschigen Pfad. Mit Bike wirds ab und an ein wenig haarig.

Wenn man einen Pass zum zweiten Mal überquert, findet man komischerweise ganz neue Dinge, die beim ersten Mal nicht aufgefallen sind oder anders bewertet wurden. Schrofenpass: landschaftlich schön, im oberen Bereich nicht fahrbar. Ein Traum. In Richtung Warth können wir das eine oder andere Mal kurz fahren. Als wir auf den Fahrweg kommen, pfeifen wir mit Karacho ins Tal.

Wart- Lech: das hoffentlich einzige grössere Strassenstück der Tour.

In Lech knurrt uns leicht der Magen. Glauben wir zumindestens. Bis einer draufkommt, dass es da im Hintergrund wohl auch ein wenig donnert. Ein Blick nach oben lässt noch nichts absolut Schlimmes befürchten. Aber (Flachlandtiroler = keine Ahnung) in den Bergen gelten eben doch andere Wettergesetze: Eine halbe Stunde nach später tröpfelt es leicht. Zum Glück haben wir auch als gelernte Flachlandmenschen so viel Erfahrung: man sollte sich bei einsetzendem Regen sofort umziehen. Es ist ohne Unterstand später in stärkerem Regen unmöglich,den ganzen Rucksack umzukramen und sich trocken umzuziehen. Etwas overdressed stehen wir so 15 Minuten später in leichtem Niesel da und machen bedrückte Gesichter. War das Umziehen überhaupt nötig? Von Essen gehen ist jetzt nicht nur mangels Gelegenheit keine Rede.

Lästig: Permanent müssen wir Busse durchlassen. Die Lechianer haben anscheinend den Durchgangsverkehr aus dem Tal verbannt. Und dabei den Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben? Wie es vorher war, wissen wir nicht. Auf alle Fälle fahren die Busse ganz schön schnell und knapp vorbei. Das nervt. Und komischerweise kommen die Teile immer an Steilstücken und in Kurven.

Wir müssen hoch zur Freiburger Hütte. Eigentlich eine Spazierfahrt. Doch der Regen wird stärker. Und geht mit weiterer Höhe in ein tosendes Gewitter über. Es giesst wie mit Kannen. Na ja, in 15 Minuten wird das wohl vorbei sein. Pustekuchen: Wir kämpfen uns den Hang hoch. Kilometer um Kilometer. Alles fahrbar. Wir schauen jedoch nur auf die paar Meter Weg, die vor uns liegen. Nach oben gucken trauen wir uns nicht. Das Schlimmste ist, dass man auch noch dabei lächeln sollte, wenn man geblitzt wird. Irgendwann ganz oben kommt eine Bushaltestelle und der asphaltierte Weg hört auf. Jetzt noch ein paar Meter und wir sind bei der Freiburger Hütte.

Wirklich?

 

Statt hoch geht es jetzt erst mal runter zum normalerweise sicher idyllisch daliegenden Formarinsee. Genau vor dem Schlussanstieg macht der Himmel wieder alle Schleusen auf und kübelt zuerst Wasser, später kleinere und dann immer grössere Hagelkörner herunter. Kein Baum, keine Hütte, nichts zum Unterstehen.
...Durch!...
Der Hagel bleibt auf der Fahrspur wie Schnee liegen. Blitze zucken uns um die Ohren. Mir ist mulmig. Und etwas kalt. Bergauf fahren wir zum Teil nicht nur gegen Wind, peitschende Niederschläge und Steigung, sondern auch noch gegen einen 2-10 cm tiefen Bach an, der den Fahrweg als neues Bett ausgewählt hat. Zeitenweise sehe ich die unteren Speichennippel nicht mehr.

Als wir schliesslich auf der Freiburger Hütte ankommen, sind wir nass bis auf die Haut. Gott sei Dank(!!!): wir haben gestern angerufen. Es scheint in der Hütte viel frei zu sein, denn die nette Dame am Telefon sagte: "kommt nur her, es ist keine Reservierung nötig. Wir haben genügend freie Schlafplätze..."

Und ausserdem ist bei deeeem Wetter eh keiner unterwegs.

Völlig durchweicht schlurfen wir über die Stufen in die Hütte. Dort geht es recht emsig zu. Genau genommen wie in einem Ameisenhaufen. Kein Mensch nimmt Notiz von uns. Als wir uns beim hinter dem Tresen stehenden Wirt freundlich bemerkbar machen, gibt dieser uns unwirsch zu verstehen, er habe gerade keine Zeit. So stehen wir tropfend und unterkühlt 20 Minuten in der Gaststube, bis der Wirt uns schliesslich unser Quartier zuteilt. Und was für eines: die schlechteste Unterkunft, die wir je hatten: ein muffiges Massenlager mit Stockbetten. Mein Matratzenunterbau gleicht eher der Hängebrücke über den River Quai als einem Bett. Das Bett über mir ist unbrauchbar (Matratze total verquollen/verzogen).

 

Schlechte Nachricht Nummer 2: Für die Bikes gibt es keinen Stellplatz. Das tut weh und erschüttert jeden Biker bis ins tiefste Mark!! Den geliebten Stollengaul nachts vor der Hütte im Regen stehen lassen? Wir müssen ein wenig arg verzweifelt ausgesehen haben, denn eine Küchenmitarbeiterin erbarmt sich und gibt den Tip, hinter dem Haus sei eine Treppe, da könnten wir die Radl drunterstellen. Selbiges tun wir. Nicht toll. Aaaaaaber besser als gar nichts.

Schlechte Nachricht Nummer 3: Wir beschliessen also, nachdem wir hungrig und müde sind und die Aussicht haben, in einer feuchten Hängematte in einem umgebauten Stall zu nächtigen, wenigstens unseren Kummer mit der einen oder anderen Medizin in alkoholischer Form zu bekämpfen. Als wir also in der Gaststube genau mit diesem Ansinnen Platz nehmen, taucht unser Freund (der Wirt) wieder auf und macht den Bikern gegenüber eine amtliche Bekanntmachung. Diese lautet kurz und knapp: "Um 7 brauch I die Stub`n und den Raum danebn. Ich hab einen Kurs. Bis dahin müsst Ihr essen (wenn ihr noch was wollt) und den Raum verlassen".

Toll. Was heisst Kurs? Und wohin glaubt dieser Menschenfreund *) , dass wir uns verziehen sollen? In unser Luxusschlafgemach?

Okay. Irgendwie kriegen wir den Abend `rum. Mit Aufhängen unserer nassen Klamotten im überfüllten Trockenraum, Schuhputzen, und mit Herumdrücken am Eingang der überquellenden Gaststube. Ausserdem lernen wir drei nette Brüder aus Freudenstadt kennen, die unterweg nach Riva sind. Da gibts `ne Menge Bikerlatein auszutauschen. Die Hagelkörner des heutigen Unwetters wachsen jetzt auf doppelte Größe. Mindestens. Und würden die Passhöhen nicht in der Karte stehen - das gäbe ganz neue Möglichkeiten. Vergessen wir`s. Vergessen wir auch die Freiburger Hütte. Unsere Meinung: Absolute Abzocke bei schlechter Leistung. Fun- Faktor unter Null. Kilometertief.

*)Nachtrag vom 3.6.2002: Ab Sommer 2002 hat die Hütte einen anderen Wirt!

 

 

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2.Etappe:

In den Sümpfen des Silbertals: Von der Freiburger Hütte zur neuen Heilbronner Hütte.
Freiburger Hütte  -  Dalaas - Kristbergsattel - Hasahüsli - Silbertal - Schönverwall - Neue Heilbronner Hütte

(ca. 2100 hm, 50km )

Das war eine Nacht. Ich bin gerädert. Zum Glück sieht das gut aus, was man vom Wetter durch die Einganstür unseres "Verlieses" sieht. Andere Worte kann ich für den feuchten Schlafraum um diese Uhrzeit nicht abgewinnen. Schnell zum Frühstück und ab aufs Bike. Wir haben heute auf alle Fälle deutlich über 2000 hm zu "machen". Da haben wir wenig Zeit zum Herumdödeln. Das Frühstück bringt unsere Meinung über die Hütte um satte 10% nach oben. Sorry: Leider bleibt`s in der Hütten- Hitparade beim letzten Platz ;-(

Noch ein letzter Blick auf den im Morgendunst liegenden See. Ein Traum in Aquarell !! Von nun an geht es bergab.

Der jetzt folgende Downhill ist tatsächlich vom Feinsten. Wenn diese Vokabel in den Beschreibungen steht, muss ich normalerweise oft absteigen. Nein - durchgefahren bin ich auch hier nicht. Aber diese Abfahrt kann zu einem relativ grossen Teil gefahren werden. Und das teilweise auf schönen Pfaden. Beim lustvollen Abfahren auf einem dieser Pfade treffe ich auf ein paar Biker, von denen einer mit einer komischen Mütze gerade seine Siebensachen auf einer Wiese zusammenklaubt. Er ist wohl gestürzt. Es sind die Freudenstädter von gestern. Mit dem Ruf: "was ist mit Deinem Helm..." weise ich darauf hin, dass er ihn wohl besser statt seiner Mütze aufsetzen würde. Als Alibi- Helm am Rucksack ist der Nutzen bescheiden!

So schön die Abfahrt ist: auf der anderen Seite müssen wir wieder hinauf: der Kristbergsattel ruft. Ganz unten an der Steigung noch in Dallaas kommen die 3 Jungs aus Freudenstadt gestikulierend hinter uns hergejapst und fragen, ob wir Desinfektionsmittel dabei hätten. Einer der Brüder sei beim Downhill gestürzt (der andere diesmal). Ich krame aus dem Rucksack meine Binden und eine Tube Betaisadonna, während der Patient sein grosses Pflaster am Knie abzieht. Was unter dem Pflaster zum Vorschein kommt, sieht nicht gut aus: ein 4cm langer Riß unterhalb des Knies. Als er ihn mit den Fingern auseinanderzieht, blutet nichts und man kann 5-8 mm in die Tiefe schauen. Da hat Pflastern und Desinfizieren allein keinen Sinn. Widerstrebend können wir den tapferen Buben überreden, den nächsten Arzt auszusuchen, um den Riss zu nähen. Also: Großes "Ciao" und "Machts gut".

Den sehen wir bestimmt nicht wieder. Glauben wir jedenfalls.

Die Fahrt über den Kristbergsattel ist gut zu pedalieren (teils Asphalt, teils Schotter). Heute befindet sich auf der Strecke eine geführte Alpenüberquerer- Gruppe. Die Jungs sehen zum Teil recht fertig aus. Es ist heiß. Beim "Hasahüsli" wartet eine einladene Gartenterasse auf uns. Nachdem die Bedienung bei dem von mir bestellten Gericht sagt, das dauere etwas länger, bestelle ich um auf Krautspätzle. Eine Entscheidung, die ich aus jetziger Sicht nicht mehr tun würde.

Im Silbertal geht es zunächst lieblich am Bach entlang. Die daran anschliessenden oberen 5-6 km gleichen aber statt einer Tour einer einzigen Tortour: Erstens haben sich die Krautspätzle in meinem Magen anscheinend zu einer Art gärenden Masse vereinigt, die gleich einem Alien im Unterleib ein Eigenleben entwickelt. Zweitens: Nach einer öden Rampe kommt man in ein sumpfiges Hochtal, das zwar für Wanderer sicher einen reizvollen Eindruck hinterläßt, nicht aber für Biker. Wir können keinen Meter fahren, hüpfen mit dem Rad nur noch von Stein zu Stein. Oder von Grasbüschel zu Grasbüschel. Zwischen den Steinen/Grasbüscheln befindet sich Morast - ein Hochmoor, das sich über Kilometer erstreckt. So kommt es uns vor. Ab und an treten wir fluchend in den Morast. Wir kämpfen uns bestimmt 1-2 Stunden auf diese Weise vor. Das hat mit Biken nichts mehr zu tun. Am Schluss ist alles egal, da wir ohnehin dreckig sind. Als uns in dem Sumpf forschen Schrittes ein Einheimischer überholt, bleibt Uli ihm am Absatz. Als ich mit Jürgen eine kurze Zeit später über eine Kuppe komme, sind die beiden verschwunden. Und auch der Weg verliert sich ins absolute Nichts. Nach einer Weile nähern sich von hinten zwei Biker, die wir weiter unten überholt haben. Ich rufe ihnen zu, ob sie wohl den Weg sehen. Sie schütteln den Kopf und zucken mit den Schultern. Sie irren wie wir im Sumpf herum und wissen anscheinend ebenfalls den Weg nicht.

Wir erspähen irgendwo eine Stelle, die wie wie ein Weg aussehen könnte. Es ist ein Weg. Aber leider - wie sich zeigt - ein Kuhpfad. Egal. Er führt nach unten. Und zwar schnell (schieben). Als wir so 200-300 hm heruntergestiegen sind, hören wir einen Pfiff. Zurückschauend erkennen wir einen Mann ganz oben am Berg, der mit den Armen gestikuliert und genau Ulis Figur hat. Nach einer viertel Stunde dampft Uli mit den anderen beiden Bikern auf einem anderen Weg an.
Es ist schon 18:00 Uhr. Wir müssen zur Hütte. Um Zeit zu sparen nehmen wir den direkten Weg, der auf den Fahrweg führt ("Abkürzung"). Irgend Etwas müssen wir falsch gemacht haben. Auf alle Fälle kommt auch nach minutenlangem Schieben und Tragen kein Brückchen oder ähnliches über den reissenden Bach. Ich trotte stumpfsinnig voraus auf einem Weg, der keiner ist. Als ich mich nach einer Weile umdrehe, denke ich, mich laust der Affe. Sehe ich Uli und Jürgen, wie sie sich ausziehen, um den reissenden Bach zu überqueren. Egal. Das kann uns jetzt auch nicht mehr umwerfen. Da meine Schuhe sowieso völlig im Sumpf verdreckt und nass sind, wate ich einfach mit dem Rad durch den eiskalten Bach. Ein wenig erschrecke ich noch über die starke Strömung und beim Blick auf das Vorderrad: die Nabe ist 10 cm unter Wasser!

2-3 km vor der Hütte geht der Weg nach rechts. Ein lenkerbreites Holzbrückchen führt über den Bach. Es ist ab hier eine verdammte Quälerei, das Rad einen Abhang mit 30% Steigung hinaufzuschleppen. Besonders nach der heutigen Strapaze verlangt mir das sehr viel ab. Gott sei Dank: Die neue Heilbronner Hütte kommt in Sichtweite. Ihr Anblick setzt bei mir einiges an Kraft frei. Auf den letzen flacheren Metern gibt es noch einmal Gelegenheit, das Geschicklichkeits- Gefühl zu testen: an 2 romantisch in der Abendsonne liegenden Wasserlachen vorbei trailen wir zur Hütte. Jetzt die steilen letzten 30 Meter zur Hütte hoch auf Schotterweg. Wir haben es geschafft. Es ist 19:30 Uhr. Wir waren fast den ganzen Tag in Bewegung. Puuuh!

 

Heilbronner H. Blick

 

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3.Etappe 

Relaxen
Neue Heilbronner Hütte - Kops Stausee   - Galtür -  Ischgl   -   Heidelberger Hütte
(ca 900 hm, 40 km)

Heute nacht konnten wir im Schlaf einiges an Kraft wieder hereinholen, was wir in der Freiburger Hütte versäumt haben. Ich schlief wie ein Toter, obwohl die Hütte gerade umgebaut wird und die Handwerker anscheinend bis in die Nacht aktiv waren. Die Betten gut, das Frühstück reichhaltig, die Bedienung freundlich: so sollte eine Hütte sein!
Den Weg von der Hütte zum Kops Stausee kennen wir. Ein Schotter- Fahrweg führt ziemlich geradlinig hinab. Man muss nur ein wenig aufpassen, dass man im Downhill- Fahrspass nicht zu tief abfährt. An der Alpe Verbella auf halber Höhe der Abfahrt nicht dem Hauptweg folgen, sondern links auf dem steinigen Weg bergan fahren.
Weg nach Galtür
rechts unten Kops Stausee Der Weg nach der Alpe gibt willkommene Gelegenheit, das Balance- Gefühl zu testen. Dabei turnt zusätzlich noch die Aussicht auf den Kops Stausee die gute Laune weiter an. Dabei habe ich es wohl wieder ein wenig übertrieben: nach einigen Metern bringt Jürgen eine Sonnenbrille an, die er gefunden hat. Wie es sich zeigt, ist es meine! Auf dem steinigen Weg kommt man nicht an an den Stausee heran, hat jedoch einen Traumblick auf den See von oben. Slalomfahrend zwischen Kuh- Hörnern und Steinen. Als Bonusrunde gibt`s einen rauschenden Wasserfall und glitzernde kleine Seen, die wie Augen daliegen.

Wir fahren nach Galtür ab und finden eine Perle von Radweg, die wir im Geschwindigkeitsrausch vor einigen Jahren achtlos liegengelassen haben: den Talradweg von Galtür nach Ischl, der kilometerweit abseits der Straße direkt am rauschenden Fluss mal links mal rechts entlangführt. Wie in einem See fühlen wir auf der Haut alle Temperaturen der Luftströmungen, je nachdem ob wir im Schatten nahe der Gischt des Baches fahren, oder über ein sonniges Wiesenstück...

Heute ist Relax - Tag!

Das können wir uns ruhig mal gönnen, denke ich. Deshalb fluche ich innerlich, als Jürgen die 15% Steigung in Richtung Heidelberger Hütte in voller Mittags- Sonne zügig hochzieht. Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit, um zur Heidelberger Hütte zu kommen. Dass es auch anders laufen kann (nämlich dumm), zeigt ein Sanka, der mit Blaulicht von Ischgl heraufgefahren kommt und direkt vor uns in Höhe der Bodenalpe einen Biker einlädt. Sturz? Die Stelle war nicht gefährlich. Bei der Hitze würde mich allerdings ein Infarkt auch nicht wundern.

Im unteren Teil der Auffahrt befinden sich auf der linken Seite einige Fischteiche. Dort lassen wir endlich mal Fünfe gerade sein uns gönnen uns ein Päuschen. Nach einer halben Stunde kommen drei Gestalten mit dem Bike an, von denen einer eine komische Kappe trägt (statt Helm). Die habe ich irgendwo schon einmal gesehen. Es sind die drei Brüder aus Freudenstadt. Sind die tatsächlich dem Doc entkommen? Unser Patient von gestern mit der Kniewunde wurde doppelt genäht (hält anscheinend). Dann haben sie die Silvretta Hochalpenstrasse genommen und so die Zeit wieder hereingeholt.

Oberhalb der Bodenalpe nehmen wir uns so richtig Zeit. Wir lassen die Beine im Bach baumeln und geniessen das schöne Wetter und die Bergwelt. Weg zur Heidelberger Hütte
Heidelberger Hütte Am frühen Nachmittag erreichen wir die Hütte. Zeit genug, um das Rad zu reinigen, die Kette zu schmieren, die Trikots zu waschen und in eine Wiese zu liegen. Gegen später tauscht einer der drei Freudenstädter Jungs auf. Er ist konditionell am Ende, zudem gestürzt und auf die Rippen gefallen. Seine erste Alpentour, die er mit wenig Vorbereitung angetreten hat. Seine Brüder sind heute noch (mit seinem ok) weitergezogen - weiter über den Fimbapass in Richtung Riva. Wir nehmen uns seiner etwas an und "bemuttern" ihn. Morgen wird sich entscheiden, wie er seine Brüder einholt (Zug oder Bus). Vermutlich wird er wieder nach Ischgl abfahren. Wir versuchen nicht, ihn zum Überquweren des Fimbapasses zu überreden. Kann nur schiefgehen.

 

 

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4.Etappe Eine geniale Fortsetzung: Über den Fimbapass nach S-Charl

Heidelberger Hütte - Fimbapass   - Val Sinestra -  Scuol   - S-Charl (Crusch Alba)
(ca 950 hm, 48 km)

Nach einem guten Frühstück herrscht in der Heidelberger Hütte Aufbruchstimmung. Wenigstens 3-5 Gruppen von Bikern wollen anscheinend über den FimbaPass. Wir haben nichts dagegen: ein wenig Abwechslung kann nicht schaden. Der nur streckenweise befahrbare Pfad geht steil bergauf. Bis zum Jahr 1616 wurden angeblich die Toten aus Ischgl über diesen Pass zum Friedhof nach Sent geschafft. Da werden wir wohl die paar lächerlichen Kilo Gepäck und unsere Rollstühle auch hinüber bringen. Das Wetter ist ein Traum. Aus halber Höhe können wir den Blick ins Tal zu den Gletschern geniessen.

Fimbablick
Fimba Passhöhe

Wir haben die Strecke eigentlich in unangenehmer Erinnerung (Siehe "Desaster bei Regen"). Das kann nur noch besser werden. Und Jürgen hat die einmalige Chance, endlich den Alptraum vom Fimba zu den Akten zu legen.

Die Passhöhe ist recht karg. Jetzt beginnt ein schöner Downhill, den wir allerdings zur Hälfte schieben. Das, was fahrbar ist, ist technisch anspruchsvoll. In diesem Jahr muss mehr Schnee als üblich gefallen sein. Oder es war länger kalt. Überall stossen wir auf Schneefelder.

Über einen Bach führt eine malerische Schneebrücke. Uli ist vorn, stapft unbeirrt drüber. Jürgen , der die "Brücke" noch nicht überschritten hat, zweifelt: "Hält die wirklich..?!?"
Schön, dass er so vorsichtig ist. Zur Sicherheit tauschen wir die Kilos unseres Körpergewichts kurz aus und kommen rechnerisch zum Schluss, dass Uli, der schon rüber ist, der Schwerste war. Also keine Gefahr. Wie auf Eiern schleicht Jürgen über den verharschten Schneebogen. Vermutlich hätten wir die Schuhgrösse, Reifenprofil und Körpertemperatur in unsere Berechnungen einschliessen sollen....

Fimba Pass

Auf jeden Fall sackt Jürgen mit einem kleinen Schrei nach unten. Genau ins Bachwasser, das er zwar mit 2-3 reflexartigen Sätzen verlässt. Nasse Schuhe und Socken hat`s gekostet! Schade, in diesem Moment hätte der Foto bereit sein sollen.
In Zuort verlassen wird die Strecke, die wir vor drei Jahren nach "Vna" gefahren waren und biegen jetzt rechts ab in Richtung Val Sinestra, Sent. Jetzt fahren wir über wunderschöne Wiesen, die später in einen Pfad münden, der am Fluss entlang geht. Bis auf einige hundert Meter, die als gefährliche Strecke ausgeschildert sind, ist alles fahrbar. Irgendwann erreichen wir das Kurhaus Sinestra, wo eine am Anfang staubige Schotterstraße nach dem heute verschlafenen Örtchen Sent führt (verschlafen = wir wussten nicht, dass heute der Schweizer Nationalfeiertag ist). Sent- Scuol: ein wunderschöner Radweg in der Höhe

Wir haben noch ca 600 hm auf den Schotterstraße nach S-Charl. Die können wir gut am Nachmittag schaffen, so daß wir uns ein kleines Päuschen gönnen können. Wir haben etwas Probleme, den richtigen Weg aus dem Ort zu finden. Nach der großen Fußgängerbrücke an einem Campingplatz lassen wir uns häuslich in der Gartenwiertschaft nieder, wo man kleinere Snacks bekommen kann.

In S-Charl steuern wir sofort die hübsche Pension Crusch Alba an, die ausser einigen geschmackvollen Zimmern auch ein sehr ordentliches Lager für Biker und Bergsteiger bereit hält. S-Charl war ursprünglich eine Bergbausiedlung, an die noch Ruinen der Schmelzöfen und das kleine Museum am Wegrand erinnern. Seit dem 14. Jahrhundert wurde in den Minen oberhalb S-Charl Silber und Zinn geschürft und mit Maultieren über den Cruschettapass nach Italien transportiert.

S-Charl

Am Abend wartet noch das absolute Highlight der Tour auf uns: Der Wirt hat - weil es der Schweizer Nationalfeiertag ist - ein supertolles Menü vorbereitet. Ich kann die Speisekarte jetzt nicht wiedergeben. Aber ausser dem Preis auf der Speisekarte war alles erste Sahne. Und (bikerfreundlich): am nächsten Tag stellt es sich heraus, dass der Wirt für Unterkunft und Menü als Kombipaket eine wirkich günstigen Komplettpreis macht. Klasse. Absoluter Geheimtipp (hoffentlich noch lange).

Auf jeden Fall verbringen wir den Abend bei gutem Essen, gutem Wein und in Gesellschaft von zwei Bregenzer Bikern, die wir schon öfters unterwegs getroffen haben. Der Tag klingt aus mit Freudenfeuern, die überall errichtet werden und mit Böllerschüssen. So viel Aufwand hätte man wegen uns nicht machen müssen :-)

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5.Etappe 

Das ungeahnte Highlight der Tour: Fahrt durch den "wilden Westen".
S-Charl - Passo da Costainas  - Lü - Val Mora - Val Fraele  - Lago San Giacomo di Fraele - Rifugio Val Fraele
(ca 1500 hm, 45km)

Das Frühstück war wie unser gesamter Eindruck von Crusch Alba: Excellent. Wir starten früh auf dem Schotterweg nach Alp Astras. Die Steigung ist mäßig, wir können es ohne allzu großen Kraftverbrauch rollen lassen. Neben dem Weg schwelt noch der Holzhaufen von gestern abend. Bei der Alp Astras wissen wir zunächst nicht weiter. Crusch Alba
Ein Junge, der mit dem Wasserschlauch vor dem Stall Kuhfladen abwäscht, weist nach rechts oben. Unsere Blicke verfolgen zunächst etwas ungläubig seinem Finger. Doch kein anderer Weg ist zu sehen. Wird es jetzt hart? Nein, denn nach 100 m geht der Pfad in einen perfekten Trail zum Pas da Costainas hinauf, einem der wenigen voll fahrbaren Pässe des Alpen- Hauptkamms. Es geht durch Wiesen, Latschen und Steine. Der Pass (2251m) wird fast unmerklich erreicht. Auf der anderen Seite fällt die Strecke erst auf steilem, später gemäßigten Schotterweg nach Lü und schliesslich auf Asphalt zur Hauptstraße. Alp Astras
Wir brauchen unbedingt Lire. Und etwas zu essen. Außer Uli, der besser vorgesorgt hat und anscheinend mit der halben Futter- Ration auskommt. Denn laut Karte werden wir vermutlich nicht mehr so schnell eine Möglichkeit haben, Essen zu kaufen. Also fahren wir an der Hauptstraße nach rechts in den kleinen Ort Fuldera. Uli wartet an der Hauptstraße solange. Wir grasen alles ab, finden wohl eine Bank zum Geldwechsel, aber weder einen Bäcker noch einen Lebensmittelhändler. Anscheinend sind Banken heute wichtiger als Lebensmittel. Einheimische, die wir fragen, bestätigen es: Einkaufsmöglichkeit erst im nächsten Dorf (Tschierv). Jürgen: "ohne Essen fahre ich nicht über den nächsten Pass, ich fahre nach Tschierv". Da kommt uns die Idee kurz in der einzigen Wirtschaft des Orts ein Sandwich zu essen und ein weiteres für unterwegs einpacken zu lassen. Bank suchen, Geld wechsel, Laden suchen, Wirtschaft....das kostet viel Zeit. Eine geschlagene Stunde später tauchen wir wieder bei Uli an der Hauptstraße auf. Das heisst- wir schiessen zunächst an Uli vorbei, der es sich irgendwo neben einer Scheuer vor Langeweile gemütlich gemacht hat. Ein Pfiff hinter mir und ich weiss sofort woher. Uli zieht natürlich ein Gesicht, weil wir so lange gebraucht haben. Was soll man machen? Es gibt etwas Stress. Ein paar hundert Meter treten wir leicht beleidigt nebeneinander her. Doch der Berg heilt viele Wunden...
Val Mora Passhöhe 2234m Die Schotterauffahrt zum höchsten Punkt (2234m) ist leicht aber sonnig. Unterwegs treffen wir auf alte Bekannte, deren Wege sich mit unseren schon ein paar mal auf der Tour gekreuzt haben: die beiden Bregenzer. Ganz oben bleiben wir stehen. Eine Landschaft zum Verlieben. Was jetzt kommt ist eine Traumroute. Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich mit dem wilden Westen auf: ein wunderschönes, einsames und karges Tal, noch schneebedeckte erhabene Berge und eine meist sanft abfallende Schotterstrecke. Wir sind begeistert. Wenn das Bike wiehern würde - ich wäre kaum verwundert. Das ist es! Vergessen wir die Strapazen im Silbertal. Vergessen wir auch die schlechte Nacht in der Freiburger Hütte!
Fast euphorisch fahren wir durch Val Mora. Wir nehmen sogar einen Umweg in Kauf: statt links ins Tal fahren wir nach rechts zur Alpe Mora. Dort trinken die Jungs direkt vor der Alpe jeweils 2 Gläser Milch frisch von der Kuh. Zwei einheimische Biker, die nach einer Weile vom Tal heraufgestrampelt kommen, berichten, daß wir weiter unten wegen Schuttlawinen des öfteren absteigen werden müssen. Also. Packen wir `s Auch wenn man von der Alpe direkt abfahren könnte, rollen wir einige hundert Meter zurück zum Abzweig, um auf die Original Strecke zurückzukommen. Es folgt ein einspuriger Trail leicht bergab. An einigen Stellen sind Muren bis in den Bach gerutscht. dort müssen wir zum Teil absteigen. Am restlichen Trail kann man sich voll technisch austoben. Val Mora
Lago Fraele Irgendwann erreichen wir die Italienische Grenze (unscheinbares Schild) und rollen auf Schotter leicht bergab. An einem riesengrossen Schotterfeld ist der Weg anscheinend zu Ende. In dem gigantischen Schotterfeld befinden sich einige Rinnen, die so ähnlich wie Fahrwege aussehen. Nach kurzer Abstimmung nehmen wir einen der breiteren und hoffen, dass es der Richtige ist. Anders als wir es uns vorgestellt haben, erreichen wir den See "San Giacomo di Fraele". Eine eigenartige diesige Stimmung liegt über dem Stausee, dessen Ränder blank liegen und dessen Wasser Uzo- grünlich trüb ist. Um den See gehen staubige Schotterstraßen, von denen wir die linke nehmen und bis zur massiven gerippten Staumauer fahren. Dort ist von Weitem bereits unsere Unterkunft zu sehen: Rifugio Val Fraele. Eine einzelstehende Pension direkt mit Blick auf die Staumauer und in Hör- Reichweite der summenden Turbinen. Der Wirt hat sich anscheinend auf Biker eingestellt. Die Zimmer sind nett, das Essen ordentlich. Und für das Bike ist ein abschliessbarer Schuppen vorhanden.
Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Nach und nach trudeln wieder alle Gestalten ein, denen wir seit Tagen auf "on the Road" begegnen: darunter das Holländerpäärchen, die Bregenzer (Vater und Sohn). Nur das Wetter macht uns Sorgen. Es macht zu. Können wir die Tour zu Ende fahren? Pläne werden gewälzt. Und verworfen. Wir werden sehen. Morgen früh. Auf der Staumauer

 

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6.Etappe 

Schöner Auslauf mit wenig Kraftaufwand
Rifugio Val Fraele - Arnoga - Val Viola - Passo Viola - Alpe Campo - Poschiavo

(ca 50 km,600 hm)

Wir haben Glück. Das Wetter sieht trotz nächtlichem Rumpeln am Himmel nicht ganz so schlecht aus.

Demzufolge tritt Plan 1 von 3 in Kraft, den wir gestern Abend ausgetüftelt haben: Das heisst: die Ersten beim Frühstück sein, so schnell wie möglich wegfahren und möglichst über die Passhöhe kommen ehe eine eventuelle Gewitterneigung zunimmt. Wir fahren also gegen 8:00 Uhr vor dem Rifugio über die Staumauer, dann 2-3 km am See entlang (Lago di Cancano).  

Vorbei am Lago delle Scale und den alten Wehrtürmen am Torri die Fraele fahren wir nach der dritten Serpentine in Richtung Val Vezzola, Arnoga rechts ab. Der Naturschotter- Weg führt nahezu ohne Höhenunterschied oder mit leichter Steigung am Hang entlang in dass Tal "Val Viola". Die Aussicht ist schön, kann jedoch nicht ganz mit dem gestern und vorgestern erlebten mithalten. Mag sein, dass die Baustellen - Fahrzeuge etwas stören, auf die man ab und an trifft: Der Weg wird gerade hergerichtet. Nach den Überqueren der Strasse nach Livigno führt der Weg in massvoller Steigung zum Rifugio Val Viola hinauf. Für mich persönlich ist der Weg im oberen Teil trotzdem eine gewaltige Quälerei, denn es geht die letzten beiden Kilometer über absolute Grobkiesel, was unheimlich an den Muskeln zerrt. Das Rifugio lassen wir links liegen. Jetzt noch 2 Müsliriegel ins Biosystem jagen. Dann kommt die letzte Quälerei vor dem Ende der Tour: die letzten 200 hm hinauf zum Passo Val Viola. Wir haben noch die Chance, nach Hause zu kommen. Voraussetzung ist das Erreichen des Zugs über den Bernina in Poschiavo um 13:30.

Der Weg über die letzten 200 hm zur Passhöhe hoch wird als überwiegend fahrbar beschrieben, wir nehmen aber die Direktlinie zwischen den Serpentien (über einen begrasten Hang) und stemmen die Bikes hoch. Das Wetter ist inzwischen etwas durchwachsen geworden. Spüre ich da etwa die ersten Tropfen?

Nach der Passhöhe (immerhin 2489m) folgt leider ein ruppiger Abstieg. Drei Kilometer lang müssen wir unser Bike schieben und tragen. Und nicht nur bergab. Das hätten wir wohl gerne gehabt. Nach dem ersten steilen Abstieg geht es sogar wieder etwas bergauf um einen Felsblock herum. Nach einer grossen Schleife über steinige Almwiesen können wir auf einem sagenhafetn Trail unsere komplette Fahrtechnik und die in 5 Tagen gewonnene Fahrsicherheit austoben. An der Alpe Campo ist die Materialschlacht zu Ende. Schade eigentlich. Und auch schön. Die restlichen Energien dürfen unsere Bremsklötze auf breiten Wegen und Strassen bis Poschiavo vernichten!

Ach ja, da war noch was: auch die Heimfahrt in der Räthischen Bahn über den Bernina ist nicht nur für Eisenbahnfreaks ein Genuss!

FAZIT: 

Wieder einmal hat sich vom Termin her der ultimative Geheimtip bewährt: Zum 5.Mal hintereinander (insgesamt) gutes Wetter zwischen letzter Juliwoche und erster Augustwoche.

Eine absolute Super- Tour. Leider waren die beiden ersten Tage etwas zu hart: Zum einen wegen einem Witterungseinbruch. Zum anderen sind die 2100 hm am zweiten Tag im Vergleich zu den anderen Etappen einfach zu hart. Besonders substanzraubend war dabei das Tragen im Sumpf des Silbertals und anschliessendes Hochstemmen des Bikes zur neuen Heilbronner Hütte. Die folgenden Tage brachten aber  mehr als Ausgleich. Landschaftlich erste Sahne. Daher Top-Tour.

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