Heiners Bike Page

Von Oberstdorf nach Riva            (1998)           410km / 10200hm   Upd  04.01.02


Quo vadis Der Weg ist das Ziel??  Oder doch das Ziel das Ziel? Oder das Ziel der Weg? 

Kein dummes Zeug quatschen! Fahren! 

Oberstdorf-Riva:  Kult- Strecke Nummer Eins!!!  Ein Tour- Klassiker!  Zu erwarten waren  diesmal weniger ultraharte Trails (ein Irrglaube), aber starke konditionelle Anforderungen.             


wohin jetzt?Die Strecke: *) 

Es gibt viele mögliche Routen über die Alpen von Oberstdorf nach Riva. Die Zusammenstellung unserer Strecke versprach autofreie Übergänge über die Alpen. Schiebestrecken waren dabei unvermeidbar.  Unser Zeitlimit  war von vorne herein auf  7 Fahrtage festgelegt (7 Tage Fahrt, 1 Tag Reserve, 1Tag Reise). Die Anfahrt nach Oberstdorf erfolgt per Bahn. Rücktransport ab Riva durch Wöhr Bike Shuttle. Insgesamt ca. 410 km plus 11000hm sind zu überwinden. 

Teilnehmer: 4 Mann (Uli, Frank, Jürgen und Heiner). 

Karten: Benötigt werden die Kompass - Karten Nr. 24, 33, 41, 52, 72, 73 und 101. 

Größere Pässe:  Schrofenpass(1800), Flexen Pass/Arlberg (1774/1793), Verbellner Winterjöchl(2320), Fimber Pass(2608), Schlinig Pass(2200), Tarscher Pass(2517), Rabbijoch(2487), Passo Campo Carlo Magno(1700), Passo Durone(1000). 
 

 Höhenprofil

Wegskizze

*) Private Tourenbeschreibung. Alle Angaben ohne Gewähr. Nachbiken auf eigene Gefahr. Weder wurde die Zulässigkeit der Streckenführung geprüft noch  wird für Folgeschäden in irgendeiner Form gehaftet.

Top

1.Etappe: Ein schöner Auftakt  Oberstdorf - Schrofenpass - Lech - Flexen Pass - Arlberg-Pass - St.Anton - Konstanzer Hütte   (1500hm, 50km)
2.Etappe:Konstanzer Hütte - Schönverwalltal - neue Heilbronner Hütte - Ischgl  -Heidelberger Hütte
(2000 hm, 50km)
3.Etappe: Desaster im Regen! 
Heidelberger Hütte - Fimbapass - Engadin - Sur En
(600hm, 20km)  
4.Etappe: Traumhafte Pfade 
Sur En - Schlingia-Pass - Sesvenna Hütte - Schlinig - Schleis - Glurns- Sponding - Laas - Latsch - Tarsch - Tarscher Alm   (2600hm, 85km)
5.Etappe:Tarscher Alm - Tarscher Pass - St.Moritz/St.Nicolas - St.Gertraud - Rabbijoch - Haselgruber Hütte
 (  1500 hm, 30km)
6.Etappe:
Haselgruber Hütte - San Bernardo - Male - Dimaro - Madonna di Campiglio - Tione
(1000hm, 50km)
7.Etappe und Ende:
Tione - Passo Durone -  Riva  (770 hm, 65km)

 


Home



Top

 

1.Etappe 

Ein schöner Auftakt.

Oberstdorf - Schrofenpass - Lech - Flexen Pass - Arlberg-Pass - St.Anton - Konstanzer Hütte
(1500hm, 50km)

Zum  Wochenend-Spartarif  lassen sich vier berggeile Typen nebst ihren Alu-Rössern per Bahn nach Oberstdorf karren. Es ist 9 Uhr. In der Nähe des Bahnhofs holen wir Getränke und ein paar Bananen. Kohlehydratmangel kann also heute auf keinen Fall als Ausrede für schlechte Leistungen dienen. Auf geht`s!!! Wir trödeln in der Morgensonne auf gut Glück in den Ort hinein und fragten mal hier und mal da nach dem Weg ins "Rappenalpental", wo wir weiter hinten auf den etwa 1800 m hohen Schrofenpass stoßen wollen.

Bis Ortsausgang rollen wir auf einem Teersträßchen. Links und rechts säumen Pensionen und Hotels den Weg. Die Einfahrt in  das Rappenalpental ist relativ breit ausgebaut. Zwischen Fluß und Straße befindet sich ein geschotterter Rad/Wanderweg. Da wir wissen, daß uns einiges erwartet, stören wir die Spaziergänger nicht, sondern  lassen es bequem auf der Straße einrollen.Wir kommen trotzdem kaum vorwärts. Alle 500Meter halten wir an. Zum einen scheint aus unerklärlichen Gründen Franks Schaltung zu hakeln, obwohl jeder sein Rad auf perfekte Weise präpariert hat. Hier ist der Rucksack zu hoch, da der Helm zu fest, dort die Blase zu voll. So arbeiten wir uns vielbeschäftigt zwischen Wiesen und Wald in das schöne Tal vor. Auf etwa 1300m verwandelt sich die Straße zuerst in einen geteerten, dann geschotterten Forstweg.

 

Frank bildet unser Schlußlicht und flucht.  Neue Kette, neues Ritzel.  Nach dem dritten Nachstellen hakt die Schaltung immer noch.Wir verstehen das nicht. An das trivialste denkt man immer zuletzt: schließlich entdecken wir, daß der Schaltzug nicht läuft. No Problem: als alte Hasen haben wir intelligenterwiese einen Ersatzzug dabei. Aber  Herr Shimano hat zu unserer Schikane die Deckel an den XT- Shiftern mit mikroskopischen Kreuzschlitz- Schauben versehen, die wir beim besten Willen nicht lösen können. Wir bekommen die Schaltung wenigstens soweit hin, daß die Berggänge halbwegs benutzbar sind.

Von der Landschaft her eigentlich ein malerischer Einstieg. Wir fahren weiter bergan. Auf etwa 1400m erreichen wir die auf einer leichten Kuppe in der Sonne gelegene "Speicher- Hütte". Hier verengt sich der Karrenweg zu einem Wiesen- Trail. Einige Stollengaul- Jünger stehen schon mit scharrenden Hufen herum und sondieren den weiteren Verlauf der Strecke. Zu unserer Überraschung soll angeblich der Weg nicht- wie wir vermuten - im Tal weiterführen, sondern in die links von uns liegende steile Felswand einschwenken, wie uns ankommenden Grünhörnern ein breit grinsender "Alpen- Guru" mitteilt. Lassen wir uns überraschen.

Schrofen Pass Tatsächlich schwenkt kurz darauf der schmale Pfad in die Felswand. Nicht ganz und gar harmlos ist der Aufstieg dort, wo feiner Felsschutt den schmalen Pfad zugerieselt hat: ein sicherer Schuh- Grip schräg am Hang mit dem Bike in der Hand ist problematisch. An Fahren ist logischerweise nicht mehr zu denken. Wir kämpfen uns schiebend und tragend tapfer durch.

 

In etwa 1700m Höhe erreichen wir das erste "Highlight": Eine über einen Felseinschnitt gelegte Alu- Leiter ist zu überqueren! Mit dem Bike in der Hand und den Siebensachen auf dem Rücken eine wackelige Sache. Bei allem Respekt vor dem Abstürzen macht das darüber balancieren  doch irgendwie Spaß. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Und das macht Laune. Kurz darauf erreichen wir die Passhöhe. Schrofen Pass

Die Abfahrt nach "Lechleiten" ist zuerst schmal, aber für Downhill- Freaks großenteils fahrbar. Wenig später rauschen wir auf Schotter und Teer ins Lechtal, wo wir der Straße nach "Warth" und dann nach  "Lech" folgen. Am Gefälle wischen Warth und Lech schnurren unsere Bikes natürlich fantastisch. So gut, daß wir - obwohl hungrig - zuerst an der links liegenden "Bodenalpe" vorbeischießen. Das alte Wirtshaus in Holzbauweise hat einen interessanten Aufbau. Die Zwischenwände scheinen unter weitgehender Einsparung von metallenen Befestigungselementen ausschlielich durch Holz verzapft zu sein. Wir haben leider nicht die Zeit, dies ausreichend zu würdigen, sondern konzentrieren uns vor allem auf die Bratkartoffeln.

Den Straßenteil über Lech- Flexenpass- St.Anton kann man vergessen. Wir haben ihn aus Zeitmangel eingebaut. Prädikat: "nicht empfehlenswert".  Nicht nur, daß hier die Blechlawine rollt, es fängt auch noch an zu nieseln. Auf dem Flexenpass drücken wir uns unter einem Vordach an die Wand einer kleinen Holz- Scheune und ziehen die Regenklamotten über. So schnell wir können, fahren wir in Richtung "St. Anton". Nach einem kurzen "Wettrennen" mit einem Bus, der den Arlberg hinab fährt, biegen wir kurz vor Erreichen des Orts spitzwinklig nach rechts ins "Verwalltal" ab.

Die Blechkarawane haben wir somit los. Leider hat Petrus am Rest des Nachmittags trotz der ausgestandenen Qualen mit uns kein Mitleid: der leichte Regen wird jetzt zum absoluten Platzregen. Die jetzt folgende Strecke ins Verwalltal bis zur "Konstanzer Hütte" haben wir als Spazierfahrt eingestuft. Die Karte weist rechnerisch nur etwa 400 Höhenmeter auf Forstweg  aus.

Konstanzer Hütte Der Regen nimmt kein Ende. Die Strecke nimmt kein Ende. Zwischendurch geht es öfters bergab. Verachtungsvoll vernichten wir sinnlos die zwischen Dreck und Pfützen  mühevoll herausgeschundenen Höhenmeter. Wir fahren zwischen wassergefüllten Schlaglöchern slalom. Platschnaß und schmutzig erreichen wir die Konstanzer Hütte. Dort quartieren wir uns in im Massenlager ein.

 

home

 

Top

2.Etappe:

Konstanzer Hütte - Schönverwalltal - neue Heilbronner Hütte - Ischgl  -Heidelberger Hütte
(2000 hm, 50km)

Ausgehend von der Konstanzer Hütte führt unser Weg heute weiter ins Schönverwalltal, das seinen Namen zu recht führt. Der Zusatz "schön" passt besonders auf das Wetter heute, aber auch auf die faszinierende Hochtal- Landschaft. Auf etwa 2000 m erreichen wir die Schönverwall- Hütte. Hier endet für Geländefahrzeuge der Weg, weicht einem zuerst sumpfigen Pfad.

zur Heilbronner Hütte Nach Kreuzen einiger überdüngter Wiesen biegt der Weg scharf rechts über eine lenkerbreite Holz- Bachbrücke. Es folgt eine üble und steile Tragepassage. Felsige und verblockte verblockte Trails sowie ein Bergbach verlangen uns alles ab. Der steinige Pfad führt bis zu einem kleinen See, von wo aus man die Heilbronner Hütte (2320m) links auf der Höhe liegen sieht. Ab hier kann man das letzte Stück wieder gut fahren.

 

Von der Heilbronner Hütte nach Galtür führt eine breite gut fahrbare Schotterpiste, vorbei an der Alpe Verbella bis zum Kops-Stausee (1822m). Zu unserem Ärger kommen wir weit unterhalb des Stausees heraus. Wir besichtigen kurz Staumauer und See und fahren dann ins Tal ab (viel Fußgänger!). Kops Stausee

In Galtür gönnen wir uns Pizza auf einer Gartenterrasse. Ab hier geht es entlang der Silvretta Hochalpenstraße bis Ischgl. Unser Tagesziel heißt "Heidelberger Hütte". Es ist sonnig und heiß. Eine freundliche Pensionsbesitzerin am Ortsende in Ischgl (1350m) füllt uns vor dem Hochfahren aus dem Gartenschlauch unsere "Wassertanks" auf. Der Einstieg ins Fimbatal ist öde: auf nahezu autobahnartig ausgebauten Teerserpentinen  geht es steil bergan.

 

Schweizer Grenze Weiter hinten wird es weitaus hübscher und romantischer.  Wir fahren zwischen Wald und Weiden leicht bergauf. Am "Bodenhaus" (1842m) gibt`s nochmals für uns Almdudler und Müsliriegel. Der Weg nach oben ist komplett fahrbar, im oberen Teil Schotter. Die Schweizer Grenze liegt in einer leichten Senke und wird unspektakulär überquert.
Im oberen Teil ist das Tal wenig ansteigend und weit. In der Ferne scheint zwischen zwei gugelhupfartigen Felsen ein Dach zu glänzen. In warmer Nachmittagssonne erreichen wir die "Heidelberger Hütte"(2264m). Wir erhalten ein Vierer- Zimmer. Heidelbergerb Hütte

Zeitschrift Bike 3/98: "Der Mensch setzt den Gletschern nicht nur durch seine Baumaßnahmen zu. Die globale Erwärmung hat die Eismassen in den letzten 100 Jahren oft um 300 bis 500 Höhenmeter zurückgehen lassen. Deutlich wird dies besonders am Fluchthorn. Dieser Berg, gut sichtbar von der Heidelberger Hütte oberhalb Ischgl, erhielt seinen Namen von Jägern, weil Ihnen oft früher die Gemsen dahin entflohen".

 

home


Top

 

3.Etappe:

Heidelberger Hütte - Fimbapass - Engadin - Sur En
(600hm, 20km)  Desaster im Regen!

Beim Müsli- Frühstück auf der "Heidelberger Hütte" sehen wir es durchs Fenster: Heute ist es wolkig. Wir hoffen, daß das Wetter hält.
 Zeitschrift BIKE: "Fimberpass: Von hier führt der nur zu kleinen Teilen fahrbare Trail nach links steil bergauf zum Fimberpass. Bis zum Jahre 1616 wurden die Toten aus Ischgl und Mathon über diesen Pass auf den Friedhof von Sent im Engadin gebracht, denn das Paznauntal gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde Sent.  Heute schafft man die Strecke in zwei bis drei Stunden und bergab nach Sent in weiteren zwei Stunden. Die anspruchsvolle Singletrail- Abfahrt lässt Begeisterung aufkommen. Sie gehört zu den Besten der Alpen. Vom Kurhaus Sinestra führt schließlich eine breite Naturstraße bis Sent und Sur En. Im Gebiet um den 2608 m hohen Fimberpass sieht man immer wieder großflächige graue Schotterfelder. Hier herrschte von nicht allzu langer Zeit noch das "ewige Eis". Die Natur braucht in dieser Höhe 500 Jahre, bis der erste zarte Bewuchs das Geröll überzieht".
Die Realität: Vor der Heidelberger Hütte genau im Moment des Aufsteigens aufs Bike spüren wir von oben plötzlich ein leichtes Tropfen. Wir stehen etwas ratlos da: es wird hoffentlich nicht anfangen richtig zu regnen? Wir sind relativ leicht bekleidet. Auf jeden Fall: Wenn eine Wetterverschlechterung kommt, schaffen wir es kaum über den 2600m hohen Fimberpass. Wir stülpen kurz eine Regenjacke über und ziehen  los. Der Weg ist bergauf nur in kurzen Teilstücken  fahrbar. Nach 100hm öffnet  der Himmel seine Schleusen. Und heftig. Es wird eisig kalt. Es schüttet. Wir stapfen über Geröllfelder Meter für Meter hoch. Jeder Kuhtritt verwandelt sich in ein kleines Morastloch. Wir frieren. Die Schuhe quietschen (leider nicht vor Freude). Halb unterkühlt erreichen wir den Pass- Sattel. Die Fingerspitzen sind eisig und gefühlslos. Wir sehen nicht, wo wir herkommen und sehen kaum, wo es hingeht. Beinahe gehen wir oben in die falsche Richtung weiter, weil irgend ein "Spaßvogel" den auf der Passhöhe in einem Steinhaufen steckenden Wegweiser verdreht hat.

Top

Fimba Downhill Schon längst hätten wir wärmere Kleidung anziehen müssen. Aber der Regen prasselt ununterbrochen so stark, daß an ein Abnehmen der Rucksackhülle und  Auspacken wärmerer Kleidung in keiner Weise  zu denken ist. Der Rucksack wäre sofort durchnäßt! Es gibt keinerlei Untersteh- Möglichkeiten. Alles ist kahl. Alles ist grau. Nur die Stimmung nicht: die ist schwarz. So folgen wir einem stein-, wasser- und schlammgefüllten Trampelpfad: der Abfahrt, die an schöneren Tagen angeblich dem Attribut "anspruchsvoll " gerecht werden soll. Heute ist der Weg zum großen Teil ein Bachbett.

Der Clou kommt weiter unten: ein Holzbrett, das einmal eine Brücke war, führt halb über den Bach (ohne Geländer). Die Bretter sind wie Schmierseife unter unseren verschmutzten Schuhsohlen. Ich habe eh`die Schuhe komplett voll Wasser: Daher marschiere ich einfach durch den eiskalten reißenden Bach. Egal!

Total unterkühlt erreichen wir einige Zeit später die Zivilisation, wo Jürgen darauf besteht, sofort die nächstbeste Wirtschaft, Hütte, Scheune oder was es auch immer sei aufzusuchen, dort warme Kleidung anzuziehen (und wenn erhältlich ein heißes Getränk zu trinken). Im Gebirgsort "Vna" (1630m) werden wir fündig. Wir warten auf Jürgen und Frank vor der Wirtschaft. Schließlich schaut Jürgen im Unterhemd heraus und  teilt uns ultimativ mit, daß er den Weg nicht mehr fortsetzen kann, weil er ein Ziehen in der Nierengegend spürt, total unterkühlt ist und keinerlei Körperwärme mehr aufbringt. Wir überreden ihn mühevoll dazu, wenigstens  gemeinsam in das Tal abzufahren (nach Sur En).

Ist es überhaupt sinnvoll, in die "Uina- Schlucht" bei diesem Sauwetter einzusteigen, die in "Sur En" beginnt??? "Val d`Uina" sollte ja eines der Highlights sein. Der Wetterbericht für morgen ist nicht eindeutig. Aber Jürgen geht eh` nicht mehr weiter. Was soll`s. Die Entscheidung ist also gefallen. Tour- Abbruch an diesem Tag. Wir quartieren uns am Fuß der Uina- Schlucht im Gasthaus Uina ein. Sehr emfehlenswert. Die Wirtin hat im Untergeschoß ein ordentliches Matratzenlager eingerichtet. Wir sind die einzigen Gäste darin. Top Unterkunft, gutes Essen.

 



Top

 

4.Etappe:

Sur En - Schlingia-Pass - Sesvenna Hütte - Schlinig - Schleis - Glurns- Sponding - Laas - Latsch - Tarsch - Tarscher Alm
(2600hm, 85km)


Zeitschrift Bike: "Auf dem gut fahrbaren, manchmal ziemlich steilen Schotterweg zur Alpe Uina Dadaint ahnt man kaum, daß sich dahinter eine der dramatischsten Schluchten der Alpen verbirgt. Um auf den Schlinig- Pass zur Alten Pforzheimer Hütte zu gelangen, mußte man bis zum Jahr 1910 einen weiten Umweg machen. Auf Initiative des deutschen Alpenvereins wurde 1910 eine halbe Röhre in die senkrechten Felswände der Schlucht geschlagen. Es wurde ein 600 m langer und 1,3 m breiter Steig gesprengt (150 m über der Schlucht). Heute schiebt man sein Bike über diesen traumhaften Weg und genießt die Landschaft. Oberhalb der Schlucht führt ein meist fahrbarer Trialpfad zur italienischen Grenze und von dort leicht abwärts zur Sesvenna- Hütte. Dort geht es auf einer sehr steilen Schotterstraße bergab nach Schlinig".

Val d`Uina Dem Zitat ist kaum etwas hinzuzufügen. Das Wetter ist  traumhaft. Die Aussicht sprengt alle Superlative. Zum Glück haben wir gestern die Etappe nicht bei Sudelwetter durchgezogen. Es wäre schade gewesen. Der Weg ist bis auf eine einzige wenig trittsichere Stelle, bei der ein Stück Seil fehlt, gut abgeschrankt und relativ ungefährlich.  Val d`Uina
Ab der Sesvenna Hütte (2256m) trifft uns der Schlag: eine endlose Kolonne  italienischer Touristen kommt den kurzen Aufstieg von Schlinig hochwandernd entgegen. Wie es sich gehört über die volle Breite  des Wegs verteilt und versetzt. Der Downhill ist als steiler, geschotterter Fahrweg ausgebaut, der im oberen Teil leichte Stufen hat. Wir können aus Rücksicht auf die Wanderer im obersten Teil gar nicht und dann nur langsam fahren. alte Sesvenna Hütte

In Schlinig geniessen wir auf einer sonnigen Terrasse unser Mittagessen . Auf  Tip des Wirts  biegen wir direkt am Ortsende von der Straße nach rechts auf einen schmalen Fahrweg ab. Der Weg führt durch ein reizvolles Tal  teils am Bach entlang bis nach "Glurns" im Vinschgau.

Glurns: "Die mittelalterliche Architektur ist noch vielfach erhalten. Sieben Befestigungstürme, drei Stadttore und eine mächtige Ringmauer umschließen die Stadt.  Das verträumt wirkende "Stadt-Dorf" ist das Ziel vieler Maler und solcher, die Gefallen an einem immer noch mittelalterlich wirkenden Stadtbild finden."

Wir pedalieren autofrei auf dem ordentlich ausgeschilderten Vinschgau- Radweg weiter. Immer eine nette Auflockerung: ab und zu sind kleine Gatter zu öffnen. Klar, daß wir auch andere Biker auffordern, gleich durchzufahren! So kommen wir mit einem einheimischen Hobby-Biker ins Gespräch. Er fährt nach Latsch (nicht zu verwechseln mit Laatsch, von wo wir gerade herkommen). Zunächst etwas wortkarg, dann aufgeweckter, spielt er für uns den Tourenguide. Er fährt uns zwischen Tausenden und Abertausenden von Apfelbäumen restlos schwindlig. Ohne seine Führung hätten wir den Weg so nie gefunden.  Super! Durch das ganze Vinschgau sahen wir kaum Autos!

Wir müssen heute noch auf die "Tarscher Alm" (1940m). Nach eifrigem Kartenstudium stellen wir fest, daß dies noch einmal ("schlaffe?") 1200m Höhe sind, womit wir heute auf 2600hm insgesamt kommen werden. Das wird hammerhart. Schon die Straßen- Auffahrt zum Dorf Tarsch (854m) und zur Talstation des Sessel- Lifts (1200m) in der heißen Spätnachmittags- Sonne zehrt an unseren Kräften. Der jetzt folgende Wald- Schotterweg zur Tarscher Alm saugt uns regelrecht restlos die Energie aus den Muskeln. Am Ende bringen wir null Kraft auf die Kurbel. Bei größeren Steigungen haben wir nicht mehr die Kraft zum Durchdrücken. Schieben ist die letzten Meter angesagt. Es sieht ja keiner. Und wir sagen es nicht weiter. Mühevoll- einen Schritt vor den anderen setzend - erreichen wir das Tarscher Alm Bergrestaurant, das an diesem Tag kaum belegt ist. Ein schierer Gewaltakt. Aber wir sind wieder im Zeit- Plan! Hoffentlich müssen wir das Auspowern nicht in den Folgetagen büßen. Tarscher Alm

home

Top

5.Etappe:

Tarscher Alm - Tarscher Pass - St.Moritz/St.Nicolas - St.Gertraud - Rabbijoch - Haselgruber Hütte
 (  1500 hm, 30km)

Zunächst beginnt der Tag bei der "Tarscher Alm" (1900m ) mit einem mühevollen Aufstieg zum nicht fahrbaren "Tarscher Pass" (2517m). Alternativen würden große Umwege über das "Vinschgau" in Richtung Meran nötig machen. Eine steile Schotter- Rampe führt  mit 15-25%Steigung berauf. Durchdrehende Gumminoppen und ökonomische Gesichtspunkte raten zum Schieben. Später findet man sich auf einem verblockten alpinen Wanderpfad wieder. Der "Tarscher Pass" bietet tolle Aussichten auf die Ötztaler Gletscher im Norden und den "Hasenohrgletscher" im Süden. Der Abstieg auf der anderen Seite des Passes ist wie der Aufstieg: bis zur Schotterstraße (wir sind es langsam gewöhnt) viel loses Grobgeröll und daher ebenfalls nicht fahrbar. Nach all der Schiebe- Schinderei: von der Talstation des "Arzker Stausees"  zum "Zoggler Stausee" geben wir auf der kaum befahrenen Straße "Gummi".

Die Anfahrt durchs "Ultental "über "St.Moritz" , "Nicolas" und "St Gertraud" ist trotz Straßenfahrt nicht gänzlich ohne Reiz. Das Ultental ist nicht allein wegen seines Holzreichtums, sondern auch wegen seiner prächtigen Almweiden bekannt. Sehr alte Bauernhöfe schmiegen sich an die Sonnenseite des Tales. Die letzten Meter der Auffahrt Richtung "St.Gertraud" im "Ultental" sind ein Aspahltschlauch. Danach breiter Schotterweg, der zunächst gut fahrbar ist. Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit für den Uphill. Also erlauben wir uns ein wenig Luxus: ein Fußbad im Bach "Montechiea". Auf dem weiteren Aufstieg zur Passhöhe "Rabbijoch" kommen  immer wieder kurze steile Schiebeintervalle. Dazwischen kleine Fahrstücke. Im oberen Teil vor der Bärhap- Alm werden auch ohne Rucksack nur Konditionstiere den steil anziehenden Weg fahrend schaffen. Immer wieder scheint die nächste sich auftürmende Felswand der End- Gipfel zu sein. Als wir fast nicht mehr an die Existenz des Passes  glauben wollen,  geht es oben tatsächlich nicht mehr weiter. Komischerweise finden wir auf der Passhöhe einen Elektro- Weidezaun mit angeschlossener Autobatterie vor! Da staunt der Biker und der Alpenüberquerer wundert sich! Den dazu gehörigen Elektro- Sepp (seines Zeichens Kuhhirte auf 2500m) mit grauem Rauschebart und Riesen- Filzhut sichten wir kurz darauf bei der Haselgruber Hütte vor einem kühlen Getränk. Savoir vivre!

Haselgruber Hütte Nach einer kleinen Hochfläche fällt der Pfad ein wenig bergab zur  bereits erwähnten "Haselgruber Hütte" (40 Betten, warme Duschen, gemütlich eingerichtet).  Die Wirtin verbreitet durch ihre nette Art in der kleineren Hütte eine gemütliche Atmosphäre. Der Ausblick auf Adamello und Brenta ist traumhaft. Alle Gäste mit zwei Ausnahmen sind Alpen- Biker! Tourenlatein ohne Ende wird ausgetauscht. Geniales Feeling auf 2400m!

 

Top

6.Etappe

Haselgruber Hütte - San Bernardo - Male - Dimaro - Madonna di Campiglio - Tione
(1000hm, 50km)

BIKE 3/98: "Die sehr anspruchsvolle Abfahrt auf dem schmalen Pfad ins Rabbital bringt jeden Downhill- Fan ins Schwärmen".

Das  Zitat stimmt, wenn auch der kritische Biker anmerken muß, daß durch gnadenlose Abfahrten mit blockierten Bremsen an manchen Stellen im mittleren Teil  stark die Errosion gefördert wurde und wird. Man sollte mit etwas Naturliebe zumindest im Geröllteil schieben. Weiter unter erreichen wir einen relativ stark von Wanderern begangenen Schotterweg. Auf jeden Fall: bei uns heute Wetter gigantisch, Stimmung gigantisch. Aussicht gigantisch. Alles gigantisch.

Über "Rabbi" (1300m) kurbeln wir nach "Male" (738m) auf kaum befahrener Straße durch ein reizvolles Gebirgstal, das sich mit seinen Holzstadeln halbwegs seinen ursprünglichen Charakter erhalten hat . Dann  weiter nach "Dimaro" (766m). Jetzt geht`s auf Schotter  hoch in Richtung "Madonna di Campiglio". Im unteren Teil  des Anstiegs findet sich viel "Fußvolk", da hier unser Weg gleichzeitig eine ausgeschilderte Trimm-Dich- Strecke ist. Wir haben`s schon immer geahnt!  Jetzt wird die Schinderei amtlich. Der Weg  wechselt öfters die Bachseite , steigt meist leicht oder auch mal stärker an und fällt ab und zu wieder ab. Die "Reichweite" der Wanderer ist begrenzt: mit jedem Kilometer werden sie rarer. Wir kurbeln anfangs überwiegend im Wald (unser Glück, bei der Hitze). Durch frisches Farn und die waldigen Hügel fühlt man fast sich an den Schwarzwald erinnert. Wir machen am Bach kurz Pause. Es ist unglaublich, wie lange dieser Schotterweg schon ansteigt. Nimmt der auch mal ein Ende? Als wir auf der Karte zur Kontrolle und Standort- Bestimmung Höhenlinien zählen, stellen wir fest, daß wir den Aufstieg  von Dimaro nach Madonna di Campiglio  ("Passo Campo Carlo Magno") wieder einmal unterschätzt haben. Es sind fast 1000hm! Schon Karl der Große soll anno 787 mit seinem Heer über diesen Pass gezogen sein, um die Langobarden zu bekämpfen. So wie es aussieht, gleich uns nicht auf einer Asphahltstraße. Aber - um den windschiefen Vergleich weiterzuspinnen- kämpfen wir nur gegen den inneren Schweinehund und die Sonne. Je weiter der Weg in der Wärme ansteigt, desto schweigsamer und verbissener wird Frank.  Im oberen Teil des Tals, kurz vor Madonna di Campiglio, liegt eine frischgrüne weite Viehweide mit Stall und Tränke, wo wir Verschnauf- Pause machen. Frank kann kaum noch die Kurbel drehen.

"Madonna di Campiglio" hat sich  - dank seiner unerschöpflichen Ausflugsmöglichkeiten im Sommer - zu einem der meistbesuchten Fremdenverkehrsorte in der Region Trient entwickelt. Seine reizvolle Lage in einem geschützen Talkessel zwischen zwei Gebirgsgruppen Brenta und Presanella, die von Bodenmaterial und Landschaft reizvolle Gegensätze bilden, haben zur Entfaltung des Orts beigetragen". Zitat Reiseführer Ende.

Die Zivilisations- Beton-  und Abgaskeule trifft uns schlagartig und hart. Schnellstens weg von hier. Wir lassen die Gumminoppen talwärts surren! Die ersten vier, fünf Kilometer auf der Straße. Ein durchgehend ausgebauter und weitgehend beschilderter Radweg geht anschließend flußabwärts entlang des  Sarca  in Richtung "Tione". Teils verläuft der Weg reizvoll auf Hochwasserdämmen. Das weite Flußbett hat viel Geröll mitgenommen. Ein Dörfchen nach dem anderen passiert "revue".  Ab und zu kontrollieren wir per Karte, oder fragen Passanten, ob sich der Radweg links oder rechts des Sarca fortsetzt. Motto: nur kein Abgas fressen auf der Hauptstraße!  In Genußbiker-Manier rollen wir talwärts, bis wir keine Lust mehr haben.  Der verschlafene Marktflecken"Tione" liegt etwas rechts ab von der Strecke leicht erhöht, scheint  kaum Hotels und noch weniger Kneipen zu haben. Drei Täler treffen hier aufeinander. Ein Hotel- Zimmer und eine urige italienische Bar sind nach kurzer Rundfahrt gefunden. Leider stimmt mit Frank irgend etwas nicht: Der sonstige Weltmeister im Pasta-Verdrücken isst nichts, er ist schlapp, und hat Fieber.

 

Top

7.Etappe und Ende

Tione - Passo Durone -  Riva
(770 hm, 65km)

Der Rest der Strecke ist Auslauf - mit vielen schönen Panoramablicken, aber keinen fahrtechnischen Schwierigkeiten. Frank muß leider auf die letzte Etappe verzichten und mit dem Bus nach Riva fahren. Im Krankenhaus in Riva stellt ein Arzt später als Diagnose "Sonnenstich" fest.

Der letzte Pass ( Passo Durone 1000m ) auf wenig befahrener Asphahltstraße ist konditionell natürlich für unsere jetzt gestählten Körper keine Herausforderung mehr. Nach einigen weiteren kleinen Hügeln geben die Alpen endlich auf: der erste Oleander, die erste Palme und dann der "Lago" kommen in Sicht.


 

Was haben wir falsch gemacht?

Schaltzug versäumt vor der Tour auszuwechseln. Kein kleiner Kreuzschlitz- Schraubenzieher dabei, daher auch mitgenommener Schaltzug sinnlos. Gewaltetappe auf Tarscher Alm für unsere Kondition leicht über der Grenze. Sonnenschutz möglicherweise nicht ernst genug genommen. Kleidung vor Regenetappe mit Sicherheit nicht rechtzeitig gewechselt, dadurch unterkühlt.


 

Fazit:

Pluspunkte: Sehr empfehlenswerte Tour mit vielen hohen Pässen, die allerdings großenteils Schiebestrecken mit seltenen kurzen Trageabschnitten beinhalten. Landschaftlich schöne Hochtäler. Etappenlänge mit einer Ausnahme gut gewählt. Höhepunkte: Val d`Uina und Haselgruber Hütte. Angenehm: stets alle 4 Mann in einer Unterkunft beisammen. Kosten: 500.- bis 800.-DM. Alle Hüttenübernachtungen empfehlenswert.

Pleiten: Flexen und Arlberg Pass: In Anbetracht der stark befahrenen Straßen kann man überlegen, ob die Variante der ersten Etappe über Formarinsee, Montafon, Silbertal nicht schöner gewesen wäre.
Konstanzer Hütte: Duschen nur per in Gaststube erhältlicher Spezialmünze (erst festgestellt, als wir schmutzig und ausgezogen im Duschraum standen).In allen anderen Hütten kostenlose Duschen.
Alpe Uina Dadaint: Preisrekord!1Flasche Wasser kostet mehr als 10.-DM.

Pech: Wetter am Fimba-Pass.

Pannen: Insgesamt 1Plattfuß, defekter Schaltzug, defekter Sattel, Bike-Hose defekt, Schuh- Obermaterial zerrissen, Wasserflasche verloren, drohender Ventilabriß durch Schlauch- Verschiebung.

15%Strasse,50%Wege, 25% Trails/Pfade, 10% Schieben/Tragen

Die geschätzten 10% Schiebe/Tragestrecken nehmen bestimmt 25-30%Zeit ein.

Top

home