Heiners Bike Page

Von Mittenwald nach Cortina       (1997)   330km, 9300hm       Upd 15.09.01


Die Idee  Bei unserer letzten Bike- Tour von "Montreux" nach "Locarno" hatten wir Blut geleckt. Wir, das sind Jochen, Frank, Jürgen und Heiner. Es ist tatsächlich wahr: wer einmal eine Alpen- Tour gemacht hat, wird regelrecht süchtig danach. Es war doch wohl logisch, dass wir alle einer Neuauflage entgegenfieberten. 

der Weg ist das Ziel...      Die Strecke: *) 

Unsere Strecke ist eigentlich eine Fast- Alpenueberquerung. Wir hatten uns selbst ein Zeitlimit von 6 -7 Tagen gesetzt. Man könnte in 1-2 zusätzlichen Tagesetappen in die Po- Ebene kommen. 

Größere Pässe: Lamsenjoch (2150m), Geiseljoch (ca 2200m), Pfitscher Joch (2248m), Pfundner Joch (knapp 2600m), Limojoch (2150m). 

Erweiterbar auf Kronplatz. oder drei Zinnen- Ausflug. 

 Höhenprofil

 Weg-Skizze

*) Private Tourenbeschreibung. Alle Angaben ohne Gewähr. Nachbiken auf eigene Gefahr. Weder wurde die Zulässigkeit der Streckenführung geprüft noch  wird für Folgeschäden in irgendeiner Form gehaftet. Längen-, Höhen- und Streckenangaben teils aus Karten und ohne Gewähr.


Cortina fängt mit C wie Chaos an

Im Vorfeld tüftelten wir Haare raufend herum, wie wir am Besten zurück zum Ausgangsort Mittenwald zurückkommen  könnten. Es gab anscheinend in "Cortina" weder Bahnlinien mit Bike- Transportmöglichleiten  noch passende One- Way- Leihwagen- Stationen. Wie wir hörten, können in Italien keine Fahrräder auf Zug- Nebenstrecken mitgenommen werden (außer im Koffer als Handgepäck). Das kleinste Übel war es scheinbar,  mit zwei Autos zu starten, wobei wir unser Rücktransport-  Fahrzeug schon im Voraus in Warteposition nach "Cortina" stellen wollten. Das bedeutete zwar umfangreiche Vorbereitung, aber so wäre auf jeden Fall nach "Fahr- Genuß" eine schnelle Heimfahrt gesichert. Zudem könnten wir uns bei der Hin- und Rückfahrt mit dem Wagen ein Bild von den Strapazen machen, die auf uns warten.

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1.Etappe: (Karwendel) Mittenwald-Falkenhütte.  Dem Optimist gehört die Welt!
2.Etappe: Falkenhütte - Lamsenjoch - Weerberg.  Wie immer Dusel mit dem Quartier!
3.Etappe: Weerberg - Geiseljoch - Mayerhofen - Schlegeisspeicher - Pfitscherjoch - Stein
4.Etappe: Stein - Pfundner Joch - Pfunders - Bruneck - Stefansdorf Die Herausforderung!
5.Etappe: Stefansdorf - Pederü Hütte - Fanes Hütte.
6.Etappe und Ende: Fanes- Hütte  -  Limjoch  -  Cortina.   Eine Soft- Etappe zum Abschluss.


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1.Etappe

Karwendel: Mittenwald- Falkenhütte.  Dem Optimist gehört die Welt!

Freitag: Heute wollten wir noch in die Berge einsteigen. Es regnet in Strömen. Das kann es nicht sein.

Samstag: Der morgendliche Blick mit verschlafenen Augen aus dem Hotelfenster zeigt nur leichte Wetterbesserung. Der Dauerregen von gestern ist leichten Nieselregen  gewichen.

Beim Frühstück tauchen wieder  diese Selbst- Zweifel über unseren Geisteszustand auf. Wer hat diese blöde Idee gehabt? Auch Parolen wie "es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung" können uns kaum aufbauen.

Trotzdem: Jetzt Regenkleidung an und los!!!

Wie immer auf den ersten Kilometern einer Tour kommt in der Bauchgegend so ein komisches Gefühl auf. Nein, keine Angst- eher ein von der Ungewissheit hervorgerufenes Kribbeln. Von "Mittenwald" aus geht`s rechts von der Isar mässig ansteigend auf einem Schotter- Forstweg bis "Scharnitz". Der Regen hat aufgehört. Regenklamotten runter!  In Scharnitz bestellen wir noch rasch per Handy unsere Quartiere auf der "Falkenhütte" vor. Dann schwenken wir von der Straße weg in östliche Richtung  ab in die Berge. Schon nach wenigen hundert Metern stehen wir bereits wieder unter einem Baum: der Himmel öffnet seine Schleussen erneut. Ich entscheide mich, in kurzen Hosen und Regenjacke weiterzufahren: die Schenkel werden eh` naß.

Die ersten paar Kilometer bringen unsere Laune in Bestzustand: die malerische Landschaft des "Karwendelbach"- Tals und vereinzelt auftretende blaue Stellen am Himmel sind der Grund. Und kein Mensch unterwegs (kein Wunder, bei dem Wetter heute früh jagt man normalerweise keinen Hund vor die Tür). Gerade hier hatten wir verstärktes Wanderer und Biker- Aufkommen befürchtet. Die Strecke Richtung  "Falkenhütte" ist sicher und fahrbar. "Null Risiko" auch bei etwas schlechterem Wetter. Vor dem "Karwendelhaus", das wir später rechts liegen lassen, geht es kräftig hoch. Wir verausgaben uns nicht, denn wir wissen, was in den nächsten Tagen vor uns liegt. Auf 1689m erreichen wir die "Hochalm", von wo ein rasanter Downhill hinab auf den "kleinen Ahornboden" führt. Landschaft erste Sahne! Und schon ist der erste Defekt da: ein typischer "Snakebite", den die steinige Abfahrt als Tribut gefordert hat. Wir machen uns die Mühe, zu flicken: unsere Vorräte an neuen Schläuchen werden wir möglicherwiese noch brauchen. Ausserdem liegen wir gut in der Zeit. Der "kleine Ahornboden" entpuppt sich als Kuhdung-geschwängerte Sumpfwiese , die unsere Pneu- Stollen in braune Dreckwalzen und die Bikerahmen  in verkrustete "Duftröhren" verwandelt. Durchdrehende Gumminoppen und anschliessend einige leichte Trial- Übungen beim Durchqueren eines steinigen, trockenen Bachbetts bringen  uns etwas Abwechslung.

 

Lalider Wand Danach geht es wieder steil auf Schotter bergauf. Die Sonne hat inzwischen die Wolken verjagt. Die rechts von uns liegenden "Laliderer Wände" und die blühenden Almenrausch- Wiesen geben eine fantastische Kulisse. Hätte es  im Paradies Bikes gegeben- die Trails wären nicht schöner gewesen! 

Die Steigung kommt kurz darauf an die Fahrbarkeitsgrenze: beim Vorbeugen durchdrehende Hinterräder, beim Zurücklehnen Aufbäumen des Vorderrads. Unsere Stimmung ist trotz Anstrengung absolut super. Etwa nach 45 km (wer hätte damit gerechnet) erreichen wir die hübsch auf einer Anhöhe gelegen "Falkenhütte". Wir sind hungrig, durstig und stinken. Den Wirt juckt das anscheinend wenig: er lässt uns in aller Seelenruhe geschlagene 20 Minuten vor der Tür artig warten, während er am Telefon plaudert , obwohl er sich normalerweise in uns versetzen können müsste. Abgestumpft durch Tausende von Bergtouristen  sieht er  in uns möglicherweise als eine Art Weidevieh, das täglich durch seine Hütte zu schleusen ist. Oder aber es gelten hier oben in 1846m Höhe andere Gesetze. Wie auch immer: wir sind jetzt sauer. Gerade in dem Augenblick, als wir verärgert weiter fahren wollen, nimmt er sich plötzlich unerwartet dienstbeflissen doch noch unserer an (zur Eng Alm  weiterzufahren wäre zu dieser späten Stunde verhängnisvoll gewesen, wie es sich am nächsten Tag herausstellt).

Die Gaststube der Hütte ist geräumig und gemütlich. Die Lager sind einfach. Es gibt keine warmen Duschen. Aber unser ironisch gemeintes Motto lautet: "Wir sind nicht zum Spaß hier!". Wir waschen unsere Trikots. Im Blechtrog gibt es keinen Stöpsel, so verstopfen wir mit Klamotten den Abfluß. Wir hängen unser "High-Tech Outfit" an die Wäscheleinen vor der Hütte. Zwei Stunden später holen wir die tropfnasse Wäsche wieder herein (bei +5 Grad trocknet es eben schlecht). Wir hängen sie an den Kachelofen in der Wirtstube. Auf diese Weise  haben wir eine Beschäftigung und holen uns zusätzlich mit Essen, Trinken und Herumflachsen die nötige Bettschwere. Später in unserer Bude nehmen wir das am Fenster hängende Seil (Bezeichnung: "Notseil") und zweckentfremden es als Wäscheleine, wo über nacht unsere Klamotten trocknen.

 

 

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2.Etappe:

Falkenhütte - Lamsenjoch - Weerberg.  Wie immer Dusel mit dem Quartier!

Am Morgen sehen wir von unserem Fenster aus die in blutiges Rot getauchte "Lalider Felswand".  Boaahhh! Ein Traum. Der Berg ruft! Wir beschliessen, nicht auf der Hütte zu früstücken, sondern auf der Emg- Alm. Etwa 150 Höhenmeter müssen wir von der "Falkenhütte" wieder nach unten fahren, dann kommen wir wieder auf den "rechten Weg", auf unsere Route zum "Lamsenjoch". Das Lamsenjoch liegt zwar nur ca 300 m höher auf Höhe 1953m. Der aufmerksame Kartenleser (zu dieser Gattung gehörten leider wir Tour-Teilnehmer  zumindest an diesem Tag nicht) wird anhand der Höhenlinien feststellen, daß der Weg zunächst aufs "Hohljoch" geht, dann auf 1216 m abfällt und dann erneut steigt.

Von der Anhöhe aus sehen wir die verschiedenen Wegvarianten unter uns liegen. Sollen wir den weit ausschweifenden und unnötig weit abfallenden Fahrweg links nehmen oder den steinigen weniger tief abfallenden Fussweg rechts, der aber nur teilweise fahrbar sein wird? Wir nehmen die kurze aber knackige Trage/Fahrstrecke rechts und kämpfen uns so das "Hohljoch" hoch. Kurz bevor wir endlich oben sind, vereinigt sich unser Trampelpfad wieder mit dem linken Fahrweg und wir folgen vor lauter Freude, endlich wieder  kurbeln  zu können, einfach dem Weg . Nach 10 Minuten leichter Abfahrt stehen wir mitten in einem Bauernhof  zwischen gackernden Hühnern. Mist!  Im ursprünglichen Sinne des Wortes! (Bäuerin: "Ihr hobt`s euch wohl` a bisserl verfahr`n...?"). Nach sachkundiger Beschreibung der freundlichen Frau finden wir den Weg zur Eng- Alm, den man nachträglich mit viel Wohlwollen  im oberen Teil als geilen Downhill bezeichnen kann, der später aber in einen Katastrophenpfad ausartet. Tiefe Spurrinnen wechseln mit Schotterhalden und verblockten schmalen Pfaden ab. Und nicht vergessen: Gestern hat es geregnet! Alles ist naß! Jeder Kuhfladen  ist aufgeweicht und lädt zum Salto ein. Hier verstehen wir es sogar, dass entgegenkommende Wanderer bei unserem Anblick den Kopf schütteln. Wir nutzen gnadenlos jeden Meter Fahrstrecke zum Aufsitzen. Jeder geht mindestens 1-2 mal vom Bike. Die dabei vorgeführten Salti hätten einer anwesenden Jury bestimmt Bestnoten entlockt. Ganz deutlich: dieses Teilstück gehört eigentlich mit der Delete- Funktion aus der Tour gelöscht. Aber es gibt keine Strecken- Alternativen.  Wir müssen da durch! Mit verdreckten Walzen plus (kuhfladen-) verschissenen Schuhen und Hosen erreichen wir die Eng-Alm. Jedes Rad hat mindestens 2 -5 Macken mehr. Und Jürgen nahezu die selbe Anzahl offene Ellenbogen.

"Eng-Alm": Die Welt hat uns wieder. Die Alm ist mit dem Auto erreichbar. Ergo: Dutzende von Wanderen bevölkern die paar Handvoll Häuser. Wir verdreckten Typen werden verwundert angestarrt. An einen aus einem Einbaum ausgehöhlten Brunnen richten wir Mann und Rad wieder notdürftig für die Rückkehr in die Zivilisation her. Dann lassen wir uns in der Sonne zum Frühstück nieder.

 

Ein wohlwollender Kellner sieht uns unseren Kohldampf  an und bringt uns eine Riesen Wurst- und Käseplatte, während ein nicht so wohlwollender Rabe ständig gewagte Luftangriffe fliegt, um uns einen Teil des Frühstücks wieder abzuluchsen. Ein Bild für Götter: zum Schluss lässt sich der Vogel (was sind wir für elende Flachland- Tiroler, es war natürlich eine Bergdohle!) doch tatsächlich auch noch auf dem Lenker des heiligen Edel- Bikes nieder. Gestärkt durch Frühstück und Spass mit der Dohle geht es weiter zur "BinsAlm". Geiseljoch 

"Binsalm": Der Aufstieg auf die 1502m hohe Station ist ein 3m breiter Wirtschafts- Weg und daher absolut fahrbar. Endlich können wir unsere Wasserflaschen auftanken. Nach der Alm wird es unheimlich zäh. Fahrbare Strecken wechseln sich mit verblockten Strecken ab. Der Weg wird zeitweise zum Pfad. Im obersten Teil (westliches Lamsenjoch 1938m) ist Schieben angesagt. Jäh eröffnet sich ein faszinierender Blick in die Tiefe nach links. Unter uns liegt steil abfallend das ganze Tal. Dorthin wollen wir ganz und gar nicht, schon gar nicht im Sturzflug. Demzufolge schieben wir  weiter zum Lamsenjoch auf einem steinigen und stufigen Bergpfad: Fahrfehler würden unweigerlich einen Sturz in die Tiefe nach sich ziehen. Und eigentlich wollen wir die Tour auch zu Ende bringen. 15 Minuten  später erreichen wir die "Lamsenjochhütte" (1953m). Nach kurzem Genuss der Aussicht geht`s gnadenlos auf einer geschotterten Fahrstrasse bergab bis zum Dorf Vomp. Die Talfahrt ist nicht ungefährlich, da auch Federgabeln nichts nutzen, wenn das Rad im Kies- oder Schotterbett aufschwimmt. Die Gefälle gehen bis zu 20%.

Es ist jetzt 15.00 Uhr. Eigentlich sollte die Tagesetappe heute bis zur "Weidener Hütte" gehen. Es zeigt sich jetzt, dass dies jetzt zeitlich nicht mehr machbar ist. Wir queren den Inn, fahren bei "Pill" den "Weerberg" hoch und suchen nach einem Quartier. Wir suchen uns das "Hotel Schwanner" aus. Unser Riesen- Dusel: Günstige Übernachtung. Der Sohn des Schwanner- Wirts gibt uns einen sicheren Bike- Abstellraum. Wir erholen uns in der Abendsonne im Pool. Und obendrein ist heute zufällig ein Grillfest mit Live- Musik angesagt.

 



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3.Etappe:

Weerberg - Geiseljoch - Mayerhofen - Schlegeisspeicher - Pfitscherjoch - Stein

Die Sonne lacht , der Himmel ist wolkenlos. Nach Plündern des örtlichen Lebensmittelladens treten wir zunächst auf Teerbelag  und dann auf  fahrbaren Waldwegen mit stetiger Steigung in Richtung Weidener Hütte. Unterwegs treffen wir ein junges Pärchen aus Pforzheim, die Richtung "Lago di Garda" unterwegs sind. Sie haben zunächst die selbe Strecke wie wir. Staunend vernehmen wir, dass sie nur je 4,5 kp Gepäck dabei haben. Irgend etwas müssen die weggelassen haben. Aber die wesentlichen Dinge sind dabei.

Wir lassen die beiden ziehen. Sie schlagen ein höheres Tempo an. Wir wissen, dass wir die Schnellen am Abend oft weit weit hinter uns gelassen haben. Das richtige Timing ist wichtig. Wir suchen unseren Tritt. Und finden ihn. An der "Weidener Hütte", die idyllisch in Alleinlage links des Wegs auf ca 1750m  Höhe liegt, kehren wir ein. Die Pforzheimer sind ebenfalls da.

Geiseljoch  Wir tauschen News aus. Gemeinsam fahren wir weiter auf das vollkommen durchfahrbare "Geiseljoch" (ca.2200m). Ein wunderschöner Pass, der nur ganz oben ein wenig Gelegenheit zum Ausspielen des Balance-Könnens bietet.

Nach kurzer Pause holpern wir einfach auf der anderen Seite einen Trail Richtung "Vorderlanersbach" hinunter, als uns nach 50 m ein Viehhirte (oh` wundersame Fügung) mitteilt, wir hätten an der Passhöhe nach rechts abbiegen sollen und dann statt einem Trampelpfad später einen Fahrweg vorgefunden. Toll:  wieder artig  die Bikes hochtragen (zu steil und steinig zum Fahren). Es sind ja nur lumpige 50 hm! Man soll auf Einheimische hören: der Tip war Gold wert. Wir pfeifen auf steinigen Schotterwegen  nach Vorderlanersbach hinunter. Nur die  überhöhten Felgentemperarturen zwingen uns zur Vermeidung von Reifenplatzern ab und zu zum Pausieren. In Vorderlanersbach erreichen wir die Autostrasse und düsen mit bis zu 70 km/h bis nach Mayerhofen, wo wir italienische Kohlehydrate mit Tomatensosse einwerfen.

Die Fahrt zum "Schlegeisspeicher" führt vorwiegend auf oder neben der Mautstrasse. Um die bei Schlechtwetter verlorene Zeit wieder hereinzubringen, beschliessen wir gemeinsam, diesen etwas unschönen Strassen- Teil auszuklammern und die Fahrt zum Schlegeisspeicher mit dem Bus zurückzulegen. Auf diese Weise können wir heute noch das "Pfitscher Joch"  packen. Beim Fremdenverkehrsamt sagt man uns, dass normalerweise bei vollem Bus immer nur 2 Bikes mitgeführt werden. Wir sind aber vier. Wir probieren es. Zu allem Überfluss treffen wir an der Bushaltestelle unsere Pforzheimer wieder. Ob der Busfahrer wohl auch 6 Bikes mitnimmt???

 

Er tut`s!!!

Der "Schlegeis- Speicher" ist ein Touristenmekka. So kommt es uns zumindest vor. An den Souvenirständen stehen Schlangen. Es ist etwa 16.00 Uhr. Wir müssen von 1805 m (Schlegeisspeicher) auf das 2248 m gelegene "Pfitscher Joch". Die zu erwartende Strecke ist nach unseren Informationen grösstenteils Tragestrecke. Ab dem  Joch würde dann  Italien und damit gleichzeitig ein geschotterter Fahrweg beginnen. Es ist uns mulmig zumute. Schaffen wir das? Wir beschliessen, es wenigstens zu versuchen. Viele Gruppen von Wanderern, die uns entgegenkommen, zeigen uns, dass der Weg keineswegs ans das Ende der Welt führt. Also: looooos. Anfangs fahrbar, geht es bald über Stock und Stein.  klicken Pfitscherjoch  

Dies ist tatsächlich eine Tragestrecke, keine Schiebestrecke. Doch die Landschaft entschädigt für alle Strapazen: eine einmalige Talsenke, ein gurgelnder Bach, der auf schmalen Holzbrückchen überquert werden muss. Einmal steht eine Kuh auf einer dieser leiterartigen Brückchen. Zum Glück trollt sie sich  von selbst. Zwischendurch eine wundervolle Fahrstrecke durch eine Wiese mit Kühen, die kaum dem Bike ausweichen wollen. Zum Schluss wieder steil bergauf. Plötzlich ein Schrei: Franks Federbein ist beim zu langsamen Überfahren eines Steins eingetaucht. Das Bike bleibt abrupt stehen. Der versandete Klicker öffnet sich offenbar nicht und der 95- Kilo- Mann  (Jugend- Spitzname Bone-breaker) fällt mit voller Breitseite unglücklich in einen Steinhaufen. Das Knie ist offen und schwillt an. Der Bone-Breaker sitzt zuerst mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, schleppt sich später mühsam zum Bach, um das Knie zu kühlen. Ist dies das Ende einer Alpenüberquerung? Wir wissen es zu diesem Zetpunkt echt nicht. Eine lange halbe Stunde Ratlosigkeit schleicht dahin.


Das Ende ist es nicht, wie der geneigte Leser ahnen wird. Wäre schade um die Homepage. Aber - wie es sich zeigen wird, ein riesiges Handicap. Drei Gesunde und ein Kranker schleppen sich weiter. Haben wir da eben Tropfen gespürt? Richtig: es fängt zu allem auch noch an leicht zu regnen. Wir haben noch etwa 100hm bis zum Joch und Italia.  Die müssen wir schaffen. Egal wie!!! Weit zurück unter uns sind als bunte Punkte die beiden Pforzheimer sichtbar. Eigentlich wollten wir ja beisammen bleiben. Ein wenig plagt uns das schlechte Gewissen. Aber wir müssen mit unserm Fusskranken selbst so schnell wie möglich über das Joch. Es wird sehr sehr heavy. Wir müssen Pausen einlegen, um die Knieschmerzen unseres Verletzten wenigstens kurz abklingen zu lassen.Wir hieven die Räder Stein um Stein hoch. Zum Teil sind die Steinstufen bis zu 40/50 cm hoch. Das Wetter wird noch schlechter. Wir powern. Jeder Berg hat einen Gipfel. Auch dieser. Oben steht kein Mensch. Auch kein Grenzer.  Einfach niemand. Wo bleibt der rote Teppich? Alles ist grau in grau. Italien beginnt in Moll. Unsere Stimmung auch etwas. Am "Pfitscher Joch" Regen- Überzüge auf die Rucksäcke drauf und ....runterfahren.

Der Downhill Richtung "St.Jakob" ist ein halbwegs gut ausgebauter Fahrweg mit Schotter und losen Bitumen- Teilen. Wir lassen es "knallen". Mit jedem nach unten gehenden Höhenmeter wird es freundlicher und wärmer. Es ist schon nach 19:00 Uhr. Wir brauchen jetzt dringend ein Quartier. Sonst sieht es schlecht aus mit uns, besonders mit unserm Kniekranken. ...Und wir finden es. Im 5-Häuser-Dorf "Stein" gibt es einen urigen Gasthof, der ebenfalls "Stein" heisst. Dort bekommen wir 2 Doppelzimmer und von der Wirtin einen super Rostbraten.

 



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4.Etappe:

Stein - Pfundner Joch - Pfunders - Bruneck - Stefansdorf.  Die Herausforderung!

Heute soll die härteste Prüfung der Reise für uns kommen: das "Pfundner Joch" (2580m). Unser Kniegeschädigter signalisiert, dass er bereit ist, trotz Problemen die Prüfung anzunehmen, wenn wir Übrigen auf ihn Rücksicht nehmen. Klar, das versteht sich von selbst. Aber bei normalem Verstand hätten wir ablehnen sollen. Durch die Tür lacht die Sonne in die Gaststube auf das an der Wand hängende Bild von Reinhold Meßner. Selbst der scheint zu schmunzeln. Egoistischer weise gehen wir also auf den Vorschlag unseres Kniekranken ein. Der Abschied vom idyllischen "Gasthof Stein" tut fast etwas weh. Wieder talwärts. Nach 1-2 km treffen wir auf eine Profi-geführte Gruppe Alpenüberquerer. Auch sie wollen das "Pfundner Joch" packen. Wir haben uns erkundigt und wissen daher, dass es im Dorf "Fussendrass" eine letzte Möglichkeit zum Einkaufen gibt. Der Touren- Guide der Konkurrenz weiß dies ganz sicher besser als wir. Wer kommt zuerst an die Fressalien? Wir finden den Laden knapp bevor die 10 Mann der Guide-geführten Gruppe auftauchen. Zum guten Glück: der Laden- Besitzer ist von der plötzlich einlaufenden Biker- Meute total überfordert. Auf 10 Quadratmeter Ladenfläche drängeln sich auf einmal 14 oder 15 Biker und 2 Einheimische. Der Händler rotiert. Die letzten Biker werden wohl 30 Minuten auf Brot, Obst und Getränke warten müssen!

Als wir nach ca. 2 Kilometer links von der Strasse ab auf steilen Serpentinen zum Joch hochfahren, schnaufen trotz unseres Zeit- Vorsprungs zu unserer Überraschung schon wieder die ersten Überfreaks der Guide- Gruppe an uns vorbei. Einige sehen schon recht fertig aus. Wollen mal sehen! Der Weg ist technisch fahrbar aber wahnsinnig steil. Wir fahren grösstenteils und schieben  nur an den Steilstücken. Auf  etwa 1700m   - so spornt der vorbeifahrende Gruppenoberguru seine  Tourenschäflein an - steht eine unbewirtschaftete alte Almhütte. An dieser malerischen Ecke machen wir Rast. Auch die Gruppen-Biker lassen sich nieder. Man checkt neugierig das Outfit der anderen, macht small- talk.Viel zu bald geht es weiter. Der Fahrweg endet scheinbar auf ca. 1900 m , wo eine Brücke eingestürzt ist, quält sich aber dann doch vergammelt auf der anderen Seite des Bachs weiter. Wir suchen ein flache Furt durch den Bach. Jeder hat seine eigene Durchquerungs- Technik. Ich entscheide mich für die Methode "Augen zu und Durch". Fast wäre das ins Auge gegangen: das Wasser  reicht bis zu den Radnaben .

 

Der restlich Aufstieg zum "Pfundner Joch" ist je nach Geschmack  landschaftlich reizvoll oder öde: es sieht aus wie in einer Mondlandschaft. Der Weg schlängelt sich durch steinige Halden und gröbere Blöcke. Die letzten 200m  ist an Fahren wenig  zu denken. Zu steil, zu viele Felsen. Und ganz oben Schnee. Wir hauen unser Halbschuhe  in den sulzigen Schnee, um nicht abzurutschen. Step by step nach oben. Die Jochhöhe gibt abrupt einen sagenhaften Blick auf die andere Seite des Berges frei. Wir stehen im Schnee und staunen.  klicken Pfundner Joch

Was jetzt folgt, wurde von anderer Seite einmal als "genialer Downhill" beschrieben. Es ist in Wirklichkeit eine totale Materialschlacht. Im oberen Teil geht es noch über ein fahrbares versulztes Altschnee- Feld ganz gut .Die Reifen sinken allerdings zeitweise tief ein, und wir kippen fast um. Dann kommen steinige Sandhalden. Tödlich für jede Bike- Felge. Bremsen, Schaltung, Klickpedale: alles knirscht. Irgendwann waren das wohl Trampelpfade, jetzt sind durch Wasser und Eis steile Fahr- Rinnen daraus geworden. Einmal in einer solchen Rinne ist man bald dem Weg auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: Wie auf einer Schiene muß man der Rinne  folgen, man kommt nicht mehr heraus. Das kostet mich 2-3 Mal fast Kopf und Kragen, als das Gefälle der Rinne unerwartet jäh ins Bodenlose abstürzt, und am Ende des Gefälles ein Steinblock liegt. Jochen geht über den Lenker. Ich beschliesse, dieses 200m- Stück statt im Tiefflug schiebend hinter mich zu bringen. Wir waschen Reifen und Felgen zwei bis drei Mal im Bergbach ab, um wenigstens die größten Schleifkörner zu verbannen. Leider hält der Erfolg nur wenige Meter an, dann mahlt es weiter. Weiter unten stockt uns der Atem: in fast atemberaubender Steilheit windet sich mit `zig Kehren der Trail ins Tal. Ist das wirklich fahrbar? Wir wagen es. Das Herz pocht. Dieser Trail-Downhill überschreitet nahezu die Grenze unseres Könnens. Jeder Fahrfehler wäre jetzt nicht nur bitter, sondern möglicherweise das Ende. Wie in einem Fahrrausch fahren wir mit teilweise zitternden Waden hinunter. Die Kehren sind so eng und steil, dass wir an vielen Wendestellen das Rad manuell umsetzen. Zum Herumzirkeln zu eng, zum Herumdriften haben wir zu viel Respekt. Wir schaffen es von einer Beschädigung eines Kettenblatts abgesehen  ohne Blessuren und fliegen auf dem unten breiter werdenden Fahr- Weg nach Pfunders. Es war eine berauschende Abfahrt.

Auf der Fahrstrasse von "Pfunders" nach "Niedervintl" treffen wir kaum Autos an. Die Stollen schnurren  auf dem Asphalt wie eine Katze. In Richtung "Bruneck" nimmt auf einen Schlag der Verkehr radikal zu. Wir nutzen links und rechts jede Möglichkeit eines Radwegs.  Es ist 19.30 Uhr, wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir biegen in "St. Lorenzen" nach rechts ab uns suchen ein Quartier in "Stefansdorf". Hier scheint der Tourismus noch goldene Zeiten zu erleben: Wir holen uns bei der Frage nach Zimmern Absage um Absage. Nach längerem Herumfragen  und -Irren bekommen wir mit Ach und Krach zwei Zimmer im "Pichlerhof" (für uns nicht geeignet, da zu brav und zivilisiert, wir sind unter den Gästefamilien exotische Außenseiter). So verbringen wir den Abend im Dunkeln vor dem Schwimmbecken und quasseln.

 

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5.Etappe:

Stefansdorf - Pederü Hütte - Fanes Hütte.

Der Plan: Eigentlich wollten wir heute noch einen zusätzlichen Abstecher auf den "Kronplatz" (ca 2100m)  machen. Die Realität: Mit unserem Knieverletzten können wir keine unnötigen Extratouren unternehmen. Können wir mit der Kabinenbahn hoch? Freudig fahren wir hin. Dort finden wir jedoch ein grosses Schild: "Kein Transport von Mountainbikes". Wir müssen also nach einer Alternative schauen. Was macht der Hase, wenn er nicht über den Berg kommt? Er geht aussen herum. So fahren wir westlich  am "Kronplatz" vorbei und zwingen wir unsere etwas müden Knochen  in Richtung "St.Martin, Saalen, St.Virgil". Stilgerecht und autofrei wollen wir nicht an der Hauptstrasse fahren, sondern auf einem geteerten schmalen Höhenweg.

Ein schicksalhafter Augenblick der Unaufmerksamkeit: irgendwo bei"Saalen" nehmen wir den falschen Weg nach  "St Virgil". Bescheuerterweise werden wir erst nach  40 Minuten stutzig, als es über Stock und Stein geht. Jetzt haben wir schon zu viel Power  in die Strecke investiert. Zurück wäre hart. Auch wenn wir - wie schon angemerkt - "nicht zum Spaß hier" sind. Das kleinere Uebel heisst jetzt: "weiter".

Wir fühlen uns schwach. In den letzten Tagen haben wir einiges an Kraft verloren. Eigentlich wäre ein Ruhetag nicht schlecht. Diese vermaledeiten Wurzelwege geben uns den Rest. Weiter hinten ein Schrei: unser beinkranker Bone- Breaker überdehnt sich an einem der knackigen Anstiege das vorher schon geschwollene Knie vollends und kann den Weg nicht mehr fortsetzen. Wir stehen  total demoralisiert im Wald herum.

Was jetzt Ihr Biker- Buben?

Nach längerem Beratschlagen übernimmt einer von uns  zunächst einmal das Gepäck  unseres Verletzten (und fährt mit 2 Rucksäcken huckepack weiter). Einer wird dazu verdonnert, einige Meter vorauszufahren, um den Fortgang der Strecke abzuchecken. Er kommt zurück und gibt das grüne Licht: "weiter hinter wird der Weg besser". Also  im Schneckentempo weiter. Jetzt wird`s aber aus einem anderen Grund trotz Teerbelag echt zur absoluten Quälerei: Wir schieben unseren Verletzten an jeder Anhöhe nebenherfahrend an. Gedanken werden laut gedacht: "Wir könnten eventuell in St.Virgil ein Lastentaxi auftreiben"  (so planen wir), das Frank auf die "Fanes- Hütte" fährt, während die Übrigen die Tour weiter verfolgen. Das  müsste die Rettung sein. Mit einem Fünfer Schnitt  erreichen wir mühsam irgendwo auf 1300 m ein Dorf (wen interessiert der Name?), wo sich vor einem irgendeinem winzigen Tante- Emma- Laden irgend ein malerisches Bänkchen befindet. Während Frank zerknirscht in Irgendwodorf vor dem Laden sitzt, schleppen wir alle Leckereien an, die in dem Laden aufzutreiben sind. Mit vollem Magen  und ohne Durst ist die Welt plötzlich wieder in rosarotes Licht getaucht. Die im Magen unseres Kranken eintrudelnden süssen Kohlehydrate scheinen sich direkt in Endorphine umzuwandeln: er denkt  so langsam wieder an das Weiterkämpfen. Wir beschliessen, mit toootaaaal niedrigem Tempo die Weiterfahrt zu wagen. Zunächst geht`s ohnehin nur `runter (ca 200 hm ): nach "St.Virgil".

Ab "St.Virgil" fahren wir auf einer mittels Schranke abgesperrten breiten Teerstrasse Richtung "Pederü- Hütte". Das ganze Tal (Vale di Tamores) am Virgil-Bach entlang wurde anscheinend zum Nationalpark erklärt. Es geht fast unmerklich bergauf. Nur ab und zu stört  ein vorbeifahrender Kies- Laster (der Kies wird weiter hinten im Tal abgebaut). Am Ende des Tals taucht die "Pederü-Hütte" auf (ein Ziel für Massen- Touristen).  Vorräte und Magen füllen! Wir flachsen mit zwei Tirolern herum, die wir unterwegs kennengelernt haben. Sie fahren fast die selbe Tour. Nur dass sie sich statt Müsli-Riegeln (wir) fast ausschliesslich von Gerstensaft (die Tiroler sind lustig...) ernähren. Sind halt doch Naturburschen. Wir können uns das nicht leisten. Wir stärken uns ein letztes Mal. Von der "Pederü- Hütte" aus wird es gnadenlos: Gnadenlose Steigung, gnadenlose Sonne, gnadenloser Staub wenn ein Geländewagen vorbeifährt.

Anstieg zunächst auf losem Schotter. Der Weg zur "Fanes- Hütte" ist  komplett fahrbar. Nur die ersten 20 Höhenmeter sind durch losen Kies problematisch: bei 15-20% Steigung auf losem Untergrund. Der Aufstieg ist - wie gesagt - steil und gehört trotz anderslautender Berichte für uns nicht zu den absoluten Highlights dieser Tour. Besonders, weil auf dem Weg zur "Fanes- Hütte" permanent Allradfahrzeuge Alpen-Touries und ihr Gepäck zur "Fanes- Hütte" hochkarren und dabei Staubwolken hinter sich herziehen. Bei dem Verkehr sind wir froh, dass unsere Unterkunft oben per Handy vorbestellt ist. Ein Bett ist uns sicher! Immer wieder warten wir auf unseren Kniegeschädigten. Und er beisst sich durch. Die paar Regentropfen, die uns auf den letzten Höhenmetern noch erreichen, empfinden wir nicht einmal als lästig, sondern als Kühlung.  Fanes Hütte

Die "Fanes- Hütte" ist für uns eine Art Edel- Hütte. Frisch renoviert gleicht sie von außen eher einem Berghotel als einer Berghütte. Kein Wunder dieser Verkehr hier herauf. Die Hütte ist ein Wirtschaftsunternehmen! Unsere  beiden Tiroler Gerstensaft- Bolzer  von der Pederü-Hütte sitzen bei unserem Einrollen natürlich schon wieder beim Bier auf der Eingangs- Terrasse und grinsen uns entgegen. Aber: wir sind zwar etwas langsamer als die Jungs am Berg aber dafür um einiges fixer beim Quartier- Buchen: wir erhalten vor den Tirolern die letzten Zimmer im Haupthaus. Clever fährt am längsten! Die Gaststube ist urgemütlich und mit Ausschmückungen ganzer Generationen von Wanderern auf interessante Weise bepflastert. Obwohl wir absichtlich spät in unsere Koje gehen, ist der Schlaf im Massenlager unruhig. Beinahe wären die Spätheimkehrer mit den Frühaufstehern kollidiert!

 

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6.Etappe und Ende

Fanes- Hütte  -  Limjoch  -  Cortina.   Eine Soft- Etappe zum Abschluss.

Alles was heute noch kommen kann , ist ein Spaziergang. Das wissen wir. Die Bikes hängen noch komplett und unversehrt an den Haken hinter der Hütte.  Das hofften wir. Der Tag ist also gerettet. Lächerliche 200 Höhenmeter leicht steiniger Fahr-Schotterweg hoch zum "Limojoch" (ca 2150m) sind für unsere schmerzgeprüften Körper ein Kinderspiel.

Leider sind die Spitzen der Dolomiten noch im Morgen- Nebel versteckt , was die Fernsicht etwas beeinträchtigt. Aber ein paar kleine Bergseen geben ein malerisches bild_ Jetzt kommt die berühmte (gut ausgebaute) Abfahrt nach "Cortina" durch das "Fanestal". Schilder mahnen Biker zur besonnenen Fahrweise. Was nicht nur wegen der ab und zu auftauchenden Wanderer, sondern auch wegen der berauschenden Aussichten in die Schluchten empfehlenswert ist, die der "Rio Fanes" in den Untergrund gegraben hat.  Cortina: Das Ziel! 

Wir haben viiiiiehhhl Zeit, rollen entspannt und gelockert durch das Tal, halten hier und da an und freuen uns an der Natur. Das nahe Ende der Tour lässt uns gleichzeitig relaxen und ein wenig Wehmut empfinden. So zögern wir das gute Ende noch ein wenig hinaus. Schliesslich erreichen wir die Strasse nach "Cortina".  Es sind noch ca.5-10km. Am Ortseingang verdonnern wir einem Bauarbeiter zum Schiessen des obligatorischen "Beweisfotos". Fünfzehn  Minuten  später kommen wir am dort bereitstehenden Auto an. Gott sei Dank...   es steht tatsächlich noch da! Wir glauben es kaum. Bella Italia!


 


 

Was haben wir falsch gemacht?

Gute Vorbereitung ist das A&O. Ausser drei kleinen Fahrfehlern gab`s nichts zu meckern. Wir hatten realistische Etappen, richtige Ausrüstung, fanden  hervorragende Unterkünfte. Wir hatten genug Pannenmaterial für 5 Plattfüsse, Verbandsmaterial und Salbe für unseren Verletzten dabei und ließen uns weder von Schlechtwetter noch von etwas Blut demoralisieren. Unser Geschwindigkeits- Timing war unserer fahrerischen Leistung absolut angemessen (Früh- Überholer hatten meist später das "Nachsehen"). Trotzdem mussten wir uns nichts beweissen und konnten so die Tour genießen.


Fazit:

Super Tour. Landschaftlich Spitzenklasse. Technisch teilweise sehr anspruchsvoll.

10%Strasse, 65%Wege, 20% Trails/Pfade, 5% Schieben/Tragen