Heiners Bike Page

Von Kufstein zum Rosengarten und Bozen               Upd 15.09.01
(erweiterbar auf Lago di Garda) 


Quo vadis Kufstein - Rosengarten  - Bozen  (erweiterbar auf Gardasee). Die Tour basiert auf dem bekannten Klassiker Chiemsee-Gardasee. Da unser Zeitlimit maximal 8 Tage lautet, mußten wir die Ursprungs- Etappen zusammenkürzen.  Durch Einstieg in Kufstein / Wörgl kürzen wir gegenüber dem Klassiker ab und fassen 2,5Tagesstrecken zu einer zusammen. Denn unser Ziel war es, auf den ersten Etappen möglichst schnell über den Alpenhauptkamm nach Süden zu kommen, um Zeit für spätere Highlights wie Geislergruppe, Seiser Alm , Schlern und Rosengarten zu haben.

Besonderer Dank an Günter Wehner, der OriginalTour mit seinem Sohn durchführte und uns wertvolle Tipps gab.


quo vadis?Die Strecke: *) 

Kufstein - Rosengarten -Riva: der Transalp läuft zum Teil auf einer ehemaligen Schmuggler-Route. Dabei wird der Alpen- Hauptkamm beim 2633m hohen Krimmler- Tauern-Pass überquert. Ganz nach Lust und Laune ist Durchfahrt nach Riva  (9 Tage) oder nach Etappe 7, 8 oder 9 Ausstieg zum Kalterer See (Rückfahrt Zug ab Bozen) möglich. Wir rechnen mit Ausnahme des Krimmler Tauernpasses mit wenig Trage- und Schiebestrecken. Irren ist menschlich.

Teilnehmer: Heiner, Frank, Uli, Jochen und Jürgen.

Karten: Benötigt werden die Kompass - Karten Nr. 9, 29, 38, 56, 54, 74, 75, 81, 82, 101 

Größere Pässe: Filzenscharte (1686m), Krimmler Tauern (2633m), Astjoch (2044m), Lüsner Joch (2008m), Passo Rodella (1866m), Flitzenscharte (2107m), Schlern (2450), Niger Pass (1650)
erweiterbar auf Pass Jochgrimm(), Trudner Horn()
 

Höhenprofil

Kartenskizze

*) Private Tourenbeschreibung. Alle Angaben ohne Gewähr. Nachbiken auf eigene Gefahr. Weder wurde die Zulässigkeit der Streckenführung geprüft noch  wird für Folgeschäden in irgendeiner Form gehaftet. Längen-, Höhen- und Streckenangaben teils aus Karten und ohne Gewähr.

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1.Etappe: Durch die Kitzbühler Alpen. Ein schöner Auftakt Kufstein- Wörgl - Hopfgarten - Lendwirt - Rettenbach- Filzer Scharte - Wald - Krimml - Krimmler Achental - Krimmler Tauernhaus (0043) 6564/8327  , 85 km  2000 hm,(Kompass Karten 9, 29 und 38)
2.Etappe:Über den Krimmler Tauern ins Ahrntal Krimmler Tauernhaus - Windbach-Alm  - Kasern - Ahrntal - Sand in Taufers - Gais - St.Georgen - Greinwalden - Sonnenburg im Pustertal - Montal(1500hm, 85km) Kompass- Karte 38 + 82
3.Etappe:
Auf das Astjoch über dem Pustertal Montal - Ellen - Astjoch - Kreuzwiesen- Hütte - Lüsens- Passo Rodella - Halslhütte(  1600 hm, 45km), Kompass Karte 82 und 56
4.Etappe: Von der Halslhütte auf die Seiser Alm(1200 hm, 50km)
5.Etappe Über den Schlern:  Seiser Alm - (ExMolignon-Haus)  MahlknechtHütte - Schlernhäuser - Sessel-Schwaige - Peter Frag - Gasthaus Schönblick - Tiers     (1050hm, 29km) Kompass-Karte Nr. 54
6.Etappe Am Rosengarten vorbei nach Deutschnofen:
(1800hm , 47km)Tiers - Runggun - (Plafetsch) - (Hanicker schwaige) - Tscheiner Hütte - Karer See - Bewallerhof - Obereggen - Rauth - Deutschnofen
7.Etappe: Durchs Brantental nach Bozen (42 km, 100 hm) Deutschnofen- Leifers-  Etschtal -Bolzano

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Von Kufstein zum Rosengarten und Bozen               Upd 15.09.01

1.Etappe

Durch die Kitzbühler Alpen
(85 km, 2000 hm) Ein starker Auftakt

Kufstein- Wörgl - Hopfgarten - Lendwirt - Rettenbach- Filzer Scharte - Wald - Krimml - Krimmler Achental - Krimmler Tauernhaus (0043) 6564/8327 

(Kompass Karten 9, 29 und 38)

Heute ist Samstag. Morgens um 9Uhr am Bahnhof ist die Welt noch in Ordnung. Eine Woche knochenharte Trails und Wege liegen wie ein Bollwerk vor uns.Unser Termin- Tip für Alpencrosser (1.Augustwoche!) bewährt sich wieder. Schon zum vierten Mal hintereinander steigen wir bei strahlendem Sonnenschein in die Strecke ein. So kurbeln wir gelassen und entspannt an der Brixener Ache entlang. Sattgrüne Wiesen und Flußlandschaft machten immer wieder öden Industriegebäuden Platz. Nach einem unfreiwilligen Abstecher in eine Müllverwertungsanlage: wenig später geht es auf einem wenig befahrenen Teersträßchen nach rechts in das Tal der "Windauer Ache". Der Weg steigt nur unmerklich an. Gelassen "dulden" wir es, daß uns selbst extrem unsportlich wirkende Radler mit ebensolchen  Bikes überholen. Und es sind sehr viele "Weekend-Warriors" unterwegs. Klar - es gibt weiter oben genug Einkehrmöglichkeiten, zum Beispiel die Gamskogelhütte auf 1109m. Da stehen die Edelgäule in Reih` und Glied.100 hm weiter oben biegen wir nach links ab steil bergauf, um eine Abkürzung zur "Filzenscharte" zu nehmen. Im Hintergrund rumpelt hinter den Bergen ab und zu der Donner, obwohl wir keine größere Wolke sehen.

Filzenscharte Unsere Abkürzung endet weiter oben an einer Alm. Ein Bewohner legt es uns nahezu ultimativ nahe, wieder zurückzufahren und stattdessen den Fahrweg zu benutzen, denn " ...tragen könnt`s die Radl oben eh g`nug". Schmollend trollen wir uns wieder in Richtung bergab und nehmen den Fahrweg von der Unterfoischingalm zur Oberfoischingalm. Oben wird der Weg unfahrbar. Die Filzenscharte mit 1686m ist nur scheinbar ein Pipifatz- Bergchen. Im oberen Teil geht es auf 30 - 50 cm schmalen, teils sumpfigen Trampelpfaden in mehreren Stufen über den Berg. Es ist weder Trittsicherheit noch alpine Erfahrung von Nöten. Die größte Höhe wird unspektakulär auf einem Waldpfad überschritten. Wir testen kurz die Haftung von Bikerkosen an Stacheldraht-Zäunen. Nicht weit nach Überqueren der Filzenscharte kommen wir auf einen Fahrweg. Und Tschüss: Kaum aufgestiegen  sind wir schon in "Wald im Pinzgau", wo wir einige Kilometer  der Straße nach Krimml folgen.
Achtung Nachbiker: Der vonuns geplantecWeg über die Krimmler Wasserfälle ist wegen starkem Wanderer- Aufkommen für Biker nicht zugelassen! Leise fluchend fahren wir ein kurzes Stück Asphalt und biegen dann nach links ins Krimmler Tal. Nach knackigem einstieg ist das Achental ein Trogtal mit breitem Talboden, dessen sanfter Anstieg nur  wenig von Schutthalden, Bergstürzen und Schwemmkegeln gestört wird. Idylische Almen, großartige Zirbenwaldbestände und der reizvoll im Gegenlicht liegende Bach geben ein gutes Gegengewicht zum Brennen in unseren Beinen, das sich so langsam bemerkbar macht. Zum Glück sind uns die Lager im Krimmler Tauernhaus sicher. Wir haben im Zug per Handy vorbestellt (war nötig, am Wochenende total überbucht). Das Krimmler Tauernhaus ist ein Jahrhunderte altes Gemäuer. Es ist urgemütlich und wird professionell geführt. Für unsere Boliden gibt`s einen Stall. Die Lager im Dachboden sind einfach , kaum beleuchtet und ohne Lüftungsmöglichkeit (aber wir sind zu kaputt, um besondere Komfort- Ansprüche zu stellen). Krimmler Tauernhaus

Frage von Jochen an einen Jungen, der anscheinend im Tauernhaus beheimatet ist: "Wie ist der Weg über den Krimmler Tauern? Müssen wir da viel schieben???.."
Der Junge: "Es is` a bisserl schwierig, aber wenn `s gschickt seid mit`m Radl, dann könnt`s fast alles fahrn..!"

Gute Nacht, Ihr lieben Sorgen...

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2.Etappe:

Über den Krimmler Tauern ins Ahrntal

Krimmler Tauernhaus - Windbach-Alm  - Kasern - Ahrntal - Sand in Taufers - Gais - St.Georgen - Greinwalden - Sonnenburg im Pustertal - Montal

(1500hm, 85km) Kompass- Karte 38 + 82

Beim ausgiebigen Frühstück lasert die Sonne schon in die Gaststube des Tauernhauses herein. Wir haben etwas Muffesausen vor der heutigen Hardcore- Etappe. Obwohl wir ganz gschickt mit`m Radl sind. Weil mit späterer Uhrzeit steigende Gewitterneigung angesagt wurde, wollen wir so früh wie möglich unseren Stollengäulen die Sporen geben.

Blick auf den Gletscher Die ersten 2-3 km geht der Weg genau so malerisch am Bergbach entlang flach weiter, wie er zum Tauernhaus führte. Am Talende blitzt und blinkt das ewige Eis: der gleissende Anblick des schneebedeckten "Krimmler Kees" packt unsere Pupillen auf Stecknadelkopf- Größe zusammen! Bei einem kurzen Break mit ungutem Blick auf die Anstiegsrampe holen wir kurz Luft, dann geht es scharf rechts den Fahrweg zur 1882m hoch gelegenen Windbachalm hinauf.


Was sagt für heute die Literatur?  Forget it. "Krimmler Tauern: Günstiger Übergang aus dem Oberpinzgau ins Ahrntal. Alpine Erfahrung erforderlich. Bergauf zweistündige Schiebestrecke, bergab  im oberen Teil kaum fahrbarer Trail mit langen Schiebepassagen".

Ab der Windbach- Alm schieben und heben wir unsere Bikes mehr oder weniger neben uns her. Der etwa 1 m breite Weg wurde liebevoll mit Granitplatten gepflastert. Generationen müssen an diesem Weg geschuftet haben. Bei den zahlreichen Bachquerungen liegen die Steine auf Lücke. Es gurgelt und plätschert überall. Wir genießen den Aufstieg auch schiebend, denn er führt durch eine imposante Alpenwelt mit Schneeflächen, blühenden Kissen und Murmeltieren. Am Pass auf 2665m stehen zwei Fully-Typen. Fotos und Tourenlatein werden ausgetauscht. Der schönste Platz unter dem Himmel: ein winziges windgeschütztes Aussichtshüttchen mit einer Bank ist der ideale Platz für einen  grandiosen Gipfelblick in Richtung Italien.

Krimmler Tauernpass
Krimmler Tauernpass

Der Weg nach unten sieht von oben immer wieder harmlos und fahrbar aus. Bei der Ankunft an der von oben als fahrbar eingestuften Stelle zerplatzen die Träume vom Biken regelmäßig wie eine Seifenblase. Wir sitzen bestimmt 20mal auf das Bike und werden bereits nach kurzer Strecke wieder zum Abstieg/Sprung gezwungen. Vermutlich sind wir  doch nicht (wie sagte der Bub gestern doch?) "g`schickt genug" mit dem Radl..... Entnervt geben wir schließlich auf und stolpern talwärts. So "vernichten" wir ca. 800m Höhe. Auf dem nachfolgenden geschotterten Fahrweg am Arnbach entlang treten Wanderer gleich rudelweise auf.
Reiseführer: "Das Tauferer-Ahrntal, eines der größten Seitentäler Südtirols, zählt, trotz vieler Wunden und Narben, immer noch zu den schönsten des Landes. Natur- und Kulturlandschaft bilden noch weitgehend eine harmonische Einheit". Auf der Straße in Richtung Sand/Bruneck können wir endlich etwas für unseren Schnitt tun. Der untere Teil des Tals ist sehr verkehrsreich. Wir haben mächtig Kohldampf. Nach Reparatur eines Plattfußes ist es doch inzwischen 15:00 Uhr geworden und alle Gasthäuser haben geschlossen. Nach langem Suchen finden wir "unsere" Sonnenterasse. Die Wirtin kocht - was kann es jetzt anderes sein - Spaghetti - und stellt dazu eine riesige Salatschüssel auf den Tisch. Ursprünglich wollten wir heute noch auf das Astjoch. Das können wir jetzt vergessen. Es ist zu spät. Aber wir wollen so weit wie möglich kommen. Bruneck umfahren wir nördlich. Im Westen brauen sich dunkle Gewitterwolken zusammen. Wie lange wird das Wetter noch halten? In Montal klappern wir alle Gasthäuser ab. Riesige Auswahl gibt es nicht. Jedoch bekommen wir in einem 4-Stern- Hotel überraschend günstige Doppelzimmer. Wenn wir alles in die Kalkulation mit einbeziehen, übernachten wir im Vergleich zu einer Hütte äußerst preiswert und gut. Vom Hallenbad-Pool aus schauen wir gelassen zu, wie ein Gewitter über unser Alpental hinwegrumpelt. Über Bruneck bilden sich gleich drei riesige Regenbogen. Jetzt möchten wir nicht am Berg sein! Und schon gar nicht oben am Krimmler.

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3.Etappe:

Auf das Astjoch über dem Pustertal
Montal - Ellen - Astjoch - Kreuzwiesen- Hütte - Lüsens- Passo Rodella - Halslhütte
(  1600 hm, 45km), Kompass Karte 82 und 56

Ursprünglich wollten wir die dritte Übernachtung auf der Starkenfeldhütte machen. Wir liegen also  gegenüber der Planung "vorn". Immer wieder wehren wir uns gegen die Vorstellung einer fiktiven parallel fahrenden Gruppe, die genau nach Zeit- Plan fährt. Wir müssen die Freiheit behalten, nach Tagesform, Wetter und Gelände die Etappen zu kürzen und zu verlängern. Aber es ist schwer, gegen den Gedanken anzukämpfen. Er ist einfach da.

Astjoch
Astjoch/Kaserhütte
Wir starten von Montal, fahren auf einer wenig befahrenen Asphaltstraße nach Ellen (1500m) hoch. Einige hm später steigt der geschotterte Fahrweg "schwarzwaldähnlich" und gleichmäßig im Nadelwald weiter an. Oberhalb der Baumgrenze wird es immer kahler. Wer soll da noch durchblicken? Der Weg, auf dem wir fahren, wurde anscheinend auf der Kompass- Karte nicht eingezeichnet. Wo sind wir? Eine Alm, auf die wir stoßen, könnte die auf 2127m gelegene Kaserhütte sein. Hier endet auf jeden Fall der Fahrweg. Auf der Karte gehen nur zwei gepunktete rote Linien weiter. Gepunktet gleich Trampelpfad!

Eine relativ neue Holztafel deutet nach links: "Kreuzwiesenhütte". Für die Benutzung des gepunkteten Wegstücks wird folgende "Maut" abgenötigt: Kuhdung-verschmierte Bikes, nasse Schuhe und im Stacheldraht zerrissener Handschuh. Der Anblick der Kreuzwiesenhütte entschädigt für alles. Eine uralte romantische Hütte mit verzogenem Holzboden. Davor eine sonnige Wiese mit Tischen und Bänken. Traumblick. Ein älterer Mann hackt Holz. Nach Erklimmen einer knarrenden Treppe treffen wir ein Frau im Schurz. Sie sieht gleich, was wir wollen:. "Heute ist Schmarrntag". O.K. Derweil genießen wir auf der Wiese vor der Hütte das gigantische Bergpanorama rundum. Ein heimlicher Höhepunkt der Tour.

Mit vollgeknallten Bäuchen zieht uns die Schwerkraft doppelt schnell ins Tal. Dort kurbeln wir durch das Lasankenbach- Tal hoch in Richtung Würzjoch. Die Auffahrt ist mittelsteil, asphaltiert und recht angenehm. Dem Bach wurde leider in vielen betonierten Stufen  vergewaltigt. Nur im oberen flachen Teil hat er freien Lauf. Vor uns liegen in der Abendsonne rosarot die Felsspitzen der Aferer Geisler Gruppe. Ein Traum!!!

Halslhütte: Lager Wir lassen das Würzjoch links liegen und steuern zielsicher die Halslhütte (ca 1800m) an, die sich kurz nach dem Passo Rodella fast auf Passhöhe befindet. Die Gaststube ist neu renoviert. Die freundliche Wirtin gibt uns die Wahl zwischen Lager und Zimmer. Da wir eh die einzigen Gäste sind, entscheiden wir uns für Lager. Das Lager ist recht urig: nur über eine leiterähnliche Metalltreppe zu erreichen, keine 160cm Stehhöhe und ab 22:30 Uhr ohne Licht, da dann das Stromaggregat abgeschaltet wird.   O.k. Alles klar. Wir hatten zufällig nicht vor, durchzufeiern.




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4.Etappe:

Von der Halslhütte auf die Seiser Alm
(1200 hm, 50km)

Halslhütte - Russikreuz - St.- Magdalena - St-Johann - Gschmagenhardtwiese - Brogles- Hütte - Flitzer Scharte - St. Ulrich - Seiser Alm

Die Nacht im Lager war kalt und feucht. Auf gehts zu neuen (Un-?)Taten. Es geht bergab. Geschwindigkeitsrausch!  Wir lassen unsere Kisten laufen, bis die Augen überlaufen. Nach 6-7 Kilometern kommen wir wieder zu uns und warten auf Uli und Jürgen. Als sie ankommen, ernten wir statt freudigen Wiedersehensgrüßen zuerst einmal einen Anschiß. Wir sind anscheinend an der Abzweigung Russikreuz vorbeigedüst. Zu unserem Glück können wir den Tourfrieden wieder herstellen,  weil wir in Pineid einen kleinen Wiesenpfad ausfindig machen, der uns ohne große Umwege zurück auf den "rechten Weg" bringt.  Kleine Sünden werden sofort bestraft: ich ernte dafür in einem Waldstück juckende  Bremsenstiche. Zur Gschmagenhardt- Alm führen im Tal verschiedene Forstwege, von denen wir uns den vermeintlich leichtesten auf der Karte herauslesen. Einer der vielen Irrtümer der Tour. Der Weg hat es in sich. Höhenmeter müssen eben immer erkämpft werden, in den Schoß fallen sie nie. Logisch. Binsenweisheit. Aber täglich aktuell. Eigentlich gibt es oben auf der Gschmagenhardt- Wiese (ca 2000m) gleich zwei Hütten: die neue und die alte Gschmagenhardt- Hütte. Beide liegen hübsch anzusehen als Bilderbuch- Hütten auf einer Almwiese mit majestätischen Blick auf die Geisler Gruppe.

Brogleshütte
Gschmagenhardwiese

Auf dem A.Munkel-Weg fahren wir weiter zur Brogles- Hütte. Besser gesagt: wir trailen. Ein genialer Pfad: Technisch anspruchsvoll , durch eine unerwartete Senke führend und großenteil fahrbar. Wanderer mögen sich an die Stirn tippen. Sorry. Wir können einfach nicht anders. Pure Lust am Fahren übermannt uns bis zur Tollkühnheit.  Um bösen Bemerkungen vorzubeugen, grüßen wir ganz besonders freundlich. Die letzten Meter zur Brogles Hütte sind jedoch zu steil zum Fahren. Bei der Brogles- Hütte ist die Hölle los. Der hohe W-Faktor (Wanderer/Quadrat km) zeigt die Nähe einer Seilbahn an. Der Fahrweg vom Broglessattel(2119)  zu Flitzer Scharte(2107) führt über eine Hochfläche mit Latschen und Heidekrautbewuchs. Wir genießen die Schönheit der Fernsicht , das schöne Wetter und rollen gemütlich zwischen gore-tex bewehrten Kurzstreckengehern und wohlgeschminkten Frauen auf der Hochebene dahin. Ab der Bergstation der Seilbahn ist der Weg frei und es geht flott bergab. In Nullkommanix stehen wir in St. Ulrich. Voller Eifer fahren wir weiter in Richtung Pufler- Schlucht und merken wir gar nicht, daß wir eigentlich über das Saltriatal auf die Seiser Alm kommen wollten. Zu spät.

Über die Pufler Schlucht geht der Aufstieg zur Seiser Alm (1900)  auch ganz gut und relativ flott. Wir wissen, daß wir das Ziel heute gut erreichen können, sind relativ cool. Der Weg im unteren Teil der Schlucht steigt steil an. Wanderer oder Biker sehen wir keine. Als Jürgen an einem Gasthof unterwegs ein Käsebrot bestellt, erntet er fast ungläubige Blicke. Unser Übernachtungs- Ziel heißt heute Puflatsch- Hütte. Vom Info- Stand auf der Seiser Alm rufen wir dort an. Pech: der Wirt bedauert (alles belegt, keine einzige Matratze frei). Wir finden eine Unterkunft im Hotel Santner, das etwas erhöht am Weg in Richtung Schlern liegt.  Der Himmel hat sich jetzt zugezogen, es sieht nach Regen aus. Das Dorf empfinden wir als eine Ansammlung von wahnsinniger Hektik und viel Verkehr. Wir bunkern Proviant und lungern etwas ratlos herum. Da spricht uns plötzlich ein Einheimischer  an und fragt ob wir die 4Biker seien, die keinen Platz in der Puflatsch- Hütte gefunden hätten. Der Wirt der Puflatsch- Hütte persönlich! Super: er wollte uns bei der Zimmersuche helfen. Ein netter Zug, auch wenn die Hilfe inzwischen nicht mehr nötig war.

Am Abend diskutieren wir lange, wie wir über den Schlern mit dem Bike kommen können. Die Meinungen sind geteilt. Wir fragen den Wirt von Hotel Santner/Panorama um Rat. Der Wirt gibt sich viel Mühe mit uns "Exoten", seine gutgemeinten Tipps tragen  aber eher zur Verunsicherung als zur Klarheit bei. Einmal sagt er es sei "schwierig", ein anderes Mal spricht er von feuchten Holzdielen, die rutschig seien. Dann meint er, man könne weit hochfahren. Klar ist, daß Schiebestrecken auf uns zukommen werden. In der Abendsonne liegt vor uns drohend und doch verlockend der Berg. Die Herausforderung. Mit bloßem Auge sehen wir keinen Weg. Mit gemischten Gefühlen gehen wir schlafen.

 

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5.Etappe:

Über den Schlern

Seiser Alm - (ExMolignon-Haus)  MahlknechtHütte - Schlernhäuser - Sessel-Schwaige - Peter Frag - Gasthaus Schönblick - Tiers     
(1050hm, 29km) Kompass-Karte Nr. 54

Der Reiseführer: "Das Gebiet um das Schlernmassiv – ein natürliches Wahrzeichen Südtirols – und Teile der Seiser Alm sind Naturpark: weite Hochflächen, steile Dolomitfelsen, dunkle Bergwälder und blumenreiche Bergwiesen und -almen. Ein Paradies für Naturfreunde. Das Gebiet rund um den Schlern kann auf eine mehr als 2000jährige wechselvolle Vergangenheit zurückblicken. Man findet Spuren von prähistorischen Siedlungen, Wallanlagen, Überreste eines römischen Kastells, Burgruinen aus dem Mittelalter, sowie Bauten und Ansitze aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Überhaupt geben dem Schlerngebiet die zahlreichen, weithin verstreuten Kirchen, Kapellen, Türme, alte Bauernhöfe, Wegkreuze usw. eine besondere Note und regen den Einheimischen ebenso wie den interessierten Feriengast immer wieder an, sich mit der Geschichte dieser Bauwerke und der Menschen, die damit zu tun hatten, zu befassen". Hotel Santner war kein schlechter Übernachtungsort, denn es liegt quasi am Aufstieg zur Mahlknecht- Hütte. Die Hochfläche der Seiser Alpe liegt in zartem Morgendunst. Ohne Hektik erreichen wir die Mahlknecht- Hütte, wo sich eine kleine Abkürzungs- Möglichkeit (Trail) zum Seiser Alm- Haus ergibt. Von da an wird es zäh: nach einem kurzen Schwenk, der noch fahrbar ist, führt der Weg zum Tierser Alpl dermaßen steil hoch, daß wir konditionell nach den Anstrengungen der letzten Tage simpel und einfach die Steigung nicht schaffen. Wir haben die Steigung nicht gemessen, aber der Vergleich mit einem Dach ist nicht völlig abwegig. Schiebenderweise und fahren im Wechsel erklimmern wir also eine endlose steile Rampe. Schwächlinge! In der Hütte Tierser Alpl (2441m) stärken wir uns erst einmal. Zu den Schlernhäusern, die Luftlinie nur 3,5 km entfernt auf 2450 m liegen, ist es ein Katzensprung. Glauben wir. (Glauben heißt nicht wissen).

 

Wenige Minuten später - hinter der Hütte - trifft uns gleich mehrfach der Schlag:  
Erstens: Da steht ein Schild "Radfahren verboten".
Zweitens: Es geht bergab statt bergauf.
Halslhütte: Lager Tierser Alpl Hütte

Artig schieben wir unsere Räder den Weg hinunter, solange wir in Sichtweite sind. Dann benutzen wir unsere Bikes wenigstens als Tretroller. Wenn schon Fahrradfahren verboten ist. Doch der Berg gibt uns wenig Chancen, auf Dauer gegen Vorschriften zu verstoßen. Der Weg wird immer enger. Das Panorama immer toller. Als der Weg sich in der Ferne fast senkrecht am Fels hochwindet, sind leise Flüche, Kritik an der Tourenplanung und lautes Nachdenken über Umkehren zu hören. Aber wir haben schon zu viel Schweiß in die Strecke gesteckt. Weiter. Wir stemmen die Räder die Felsen und mehrere enge Kehren hoch und tragen sie streckenweise über `zig Meter über dem Rucksack auf der Schulter. Ganz klar: dieser Weg ist ein Bergwanderweg. Er ist nicht empfehlenswert für Biker. Punkt. Aus.

Zerschunden erreichen wir die Schlern- Häuser. Logischerweise ist niemand ausser uns so blöd, ein Fahrrad hierher mitzunehmen.
"Generationen von Bergsteigern gingen in den Schlernwänden zur Schule und das legendäre  Schlernhaus entwickelte sich vor hundert Jahren zu einem Kristallisationspunkt der Alpenvereinstradition Südtirols". So der Prospekt. Richtung Süden gehen laut Karte drei Wege ins Tal. Wir fragen einen "Emporkömmling", welcher Weg der Beste sei. Dieser kennt sich anscheinend aus. Er empfiehlt den mittleren Weg  Nr.1.
Schlernhaus

 Dieser Weg ist im oberen Teil tatsächlich ganz passabel. Landschaftlich zwar wunderschön, ist er  weiter unten genauso unfahrbar wie das bisher an diesem Tag erlebte.

Knüppelweg Dort führt die Route auf dem sogenannten Knüppelweg entlang. Dieser Steig führt durch eine tolle Schlucht, in der wir auf einem mit Holzprügeln belegten Steg steil ins Tal fahren/schieben. Die Prügel sind grob geschlichtet. Es gehört ein Mut dazu, zu fahren. Bei Nässe unmöglich. Weiter unten ist der Weg mit kopfgroßen kugelförmigen Pflastersteinen belegt, auf denen wir weder fahren können, noch mit den Metall-Cleat-bestückten Bikeschuhen Halt finden. Das alles bei 20% Gefälle. Wieder wird laute Kritik an der Tourenführung geäußert, die ich ohne Widerrede einstecke. Als Entschuldigung könnte ich anführen, daß wir größtenteils eine anderswo beschriebene Tour nachfahren, und kein Mensch hat irgendwelche Warn- Hinweise geäußert. Aber es ist besser, ich halte die Klappe. Ich habe ohnehin genug Probleme mit mir selbst: Meine hintere Bremse hat den Dienst aufgegeben (das Rad steigt bei jedem Bremsen jetzt hinten hoch), Nase und Augen brennen und mein vor der Tour verletztes Knie fängt an zu schmerzen.

Irgendwann fangen immer die richtigen Wege an. Und dann kommen Straßen. Diese Binsenweisheit läßt uns trotz kurzer Zweifel auch heute wieder nicht im Stich. Im untersten Teil finden wir einen genialen waldigen Trail. Als wir in Tiers ankommen, sind wir müde. Wir quartieren uns im Gasthaus Laurin ein. Zwei Stunden später: mit einer reparierten Bremse und einem Bier im Bauch sieht die Welt wieder freundlicher aus. Nur das Knie ziert sich noch etwas.

 

 

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6.Etappe :

Am Rosengarten vorbei nach Deutschnofen

(1800hm , 47km)

Tiers - Runggun - (Plafetsch) - (Hanicker schwaige) - Tscheiner Hütte - Karer See - Bewallerhof - Obereggen - Rauth - Deutschnofen

Rosengarten Bereits seit langer Zeit wurde im Gebiet um  Rosengarten und Latemar Holzwirtschaft betrieben und dadurch entstanden unzähligeForstwege. Über Saumwege und auf den Almhöhen der Hochplateaus, können heute abwechslungsreiche Mountainbike Touren verschiedener Schwierigkeitsgrade unternommen werden.
König Laurins Rosengarten. In uralter Zeit, als es noch Riesen und Zwerge in den Alpentälern gab, herrschte im Inneren desBerges, den wir Rosengarten nennen, der Zwergenkönig Laurin. Er besaß unermeßliche Schätze, doch der größte war eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar machen konnte.  Laurins Stolz war ein wunderschöner Garten vor dem Tor seiner Felsenburg; dort blühten das ganze Jahr hindurch unzählige rote Rosen, die von einem goldenen Seidenfaden umspannt waren. Wehe dem, der es wagte, den Faden zu zerreißen und auch nur einen Rose zu pflücken! Laurin drohte ihm die linke Hand und den rechten Fuß abzuhacken.

 Eines Tages nun erblickte Laurin auf einer Nachbarburg eine wunderschöne, blonde Prinzessin, Simhild. Er verliebte sich in das Menschenkind und raubte sie mit Hilfe seiner Tarnkappe. Bei Ihrer Befreiung wurde Laurn besiegt: Durch einen Zauberspruch des gefesselten Königs war der Rosengarten für immer erloschen: weder der helle Tag noch die finstere Nacht sollten die Rosenpracht je wiedersehen. Nur nackte, bleiche Felsen sollten bleiben. Doch Laurin hatte vergessen, auch die Dämmerung zwischen Tag und Nacht in seinen Zauberspruch einzubeziehen. Und so kommt es, daß vor Sonnenuntergang die bleichen Berge leuchten und glühen...

Es ist deutlich zu spüren: wir sind etwas tourenmüde geworden. Kein Wunder. Ursprünglich wollten wir im Rosengarten alle möglichen Nebenwege ausfahren. Nach dem gestrigen "Wandertag" werden die Wege auf der Karte natürlich besonders gründlich von Uli auf Fahrbarkeit untersucht. Man beschließt ultimativ, auf der wenig befahrenen Straße den Niger Paß (1688m) hochzufahren. Von der Straße aus hat man einen guten Blick auf die Rosengarten- und Latemar- Gruppe. Allerdings ist die Sicht heute leicht dunstig. Über den Karer See (Schreck laß nach,Massentourismus hoch drei!) führt ein von der Flora her netter Waldweg zum Bewallerhof und nach Obereggen /Rauth. Das Städtchen Deutschnofen scheint eine gute Ausgangsbasis für den Kalterer See oder die Fahrt zum Bahnhof in Bozen zu sein. Im Hotel Eggental finden wir eine erholsame Bleibe. Der Pool kühlt unsere Muskeln, auch wenn sie heute nicht so sehr gefordert wurden.



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7.Etappe

Durch das Brantental nach Bozen
(1200hm, 42km)

Deutschnofen- Leifers-  Etschtal -Bolzano

Über Nacht sind anscheinend einige tiefschürfendere Gedanken gewälzt worden. Ist es Heimweh, Sehnsucht nach den Ehefrauen oder ist es einfach das Gefühl, das bereits Erlebte kann nicht mehr getoppt werden??? Auf jeden Fall möchte die Mehrheit der Gruppe heute noch zum Bahnhof in Bozen, weil alles andere als "Zeitschinden" angesehen wird. Egal wann und wie wir heimkommen.

Somit bleibt noch ein einziger 1100 hm- Downhill: Die Fahrt durch das schöne Brantental nach Leifers. Im oberen Teil steil und mit vielen bordsteinartigen Querrinnen gespickt, präsentiert sich das Tälchen  zwar nicht als hochalpin aber als lieblich. In der Nacht hat es geregnet. Die Luft ist frisch und würzig, es duftet nach Kräutern und Blüten. Die Talfahrt auf dem Schotterweg am Branten- Bach entlang macht einfach nuuuhhr Spaß. Am Talausgang säumen rote Felswände den Weg. Ein toller Ausklang. In Leifers fährt gerade ein Zug ab. Es ist etwa 9:00 Uhr. Wie sich nach Lektüre des Fahrplans zeigt, wäre es unser Zug gewesen. Na gut. Was soll`s? Der nächste fährt "schon" in 3,5 Stunden.

 

Was haben wir falsch gemacht?

Es war wenig falsch zu machen: wir hatten das nötige Wetter und aus vergangenen Touren die nötige Erfahrung. Einziger Kritikpunkt ist die Streckenauslese: zu viele Gehstrecken.


Fazit:

30%Strasse,30%Wege, 20% Trails/Pfade, 20% Schieben/Tragen



Alternative Routenführung: statt Bozen in 9 Tagen zum Gardasee ab 6.Etappe (ungeprüfte Fortsetzung):

6.Etappe : Am Rosengarten vorbei zum Pass Jochgrimm (1800hm , 47km). Tiers - Runggun - Plafetsch - Hanicker schwaige - Tscheiner Hütte - Karer See - Bewallerhof - Obereggen - Rauth .- Schwarzenbach - Bielhof - Laabalm - Neuhütt - Auer Leger - Paß Jochgrimm - Albergo Jochgrimm
7.Etappe: Über das Trudner Horn zum Lago Santo  (1200hm, 42km). Jochgrimm- Gurndin-Alm - Radein- Kaltenbrunn - Truden - Hornalm - Weißensee - Lago Santo
8.Etappe: Über der Valsugana (1300hm 46km).  Lago Santo - Cembra - Faver - Piazzo - Lona - Nonesi - Baserlga - Miola - Faida - Pergine - Valsugana - Roncogno - Passo Cimirlo - Rifugio Maranza  (0039) 461 / 92005
Lago Santo: "der entzückende See, der den ursprünglichen Standort eines alten Alpengletschers einnimmt, wird dich durch sein romantisches Panorama und durch die Ruhe, die du dort genießen wirst, für sich einnehmen".
9.Etappe: Aus dem Etschtal zum Gardasee (1600hm, 84km).  Rif Maranza - Bus dei Lumazzi - Valsorda - Matarello im Etschtal - Nomi - Pomarolo - Savignano - Lago di Cei - Rifugio Monte Velo - Arco - Riva

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